MELCHIORs Bilder
Ich begrüße euch, Unbekannte !
1.345 wart ihr schon mal innerhalb weniger Tage, die meisten ( 43 % , manchmal sogar 100 % ) wollten MELCHIORs Gekritzel sehen.

Und bis zu 88,9 % von euch sind wiedergekommen - meine Gemeinde ! In Boston/Massachusetts, London, Campo Grande / Brasilien, Lausanne, Richmond/Virginia, Zürich, Novosibirsk, Nairobi, Los Angeles, Dubrovnik, Brüssel, Montreal, Rom, Genf, sogar Weilheim / Obb. !

Aber wer seid bitte Ihr, Unbekannte in St.Petersburg, die Ihr mindestens 91mal bei mir reingeschaut habt - seid ihr von der Eremitage und kupfert stillvergnügt meine Gemälde ab ? Oder meine Romane, um sie gegen die von eurem Dostojewski auszutauschen ?

REDET DOCH ENDLICH MIT MIR ! Поговори со мной !!!!!! Von Kaspersky könnt Ihr nicht sein, bei dem hab ich doch ein Abo. Oder seid ihr aus Troja, also doch vom KGB, von Natur aus nicht red- dafür aber umso mehr abhörselig ? Wie euer Putin. Und warum verabschiedet Ihr euch stracks und ohne Antwort, bloß weil ich DAS gefragt habe ? Трусы !
Wenn ihr
meinem Pinsel folgt zeig ich euch
was ich grade in Arbeit habe :
Berghard nach unserer 4.Sitzung.
Was hat das Modell wohl für einen Beruf ?
11.9.2017

"Er ist stark muskulös und könnte Kinder erfreuen"
rätselt Günther Musik in Augsburg.
"Er ist Kinderkarrusell - Anschieber !"

Nah dran, Günther !
Er ist Grundschulrektor
und liebt die "Oide Wiesn" auf dem Oktoberfest
mit ihren "Fahrgeschäften" aus dem 19.Jahrhundert.
Ich werde also das Porträt LILIOM nennen.
Hieronymus im Gehäuse.

"Ich sehe da einen verträumten Intellektuellen" schreibt mir Nikolai Muck aus Frankfurt," der mit Gott und der Welt in Verbindung ist, aber mit nichts unmittelbar in Berührung kommt. Selbst zu Gott hat der Heilige eine Distanz, da er so intellektuell hochstapelt. Der Hieronymus ist nicht im Gehäuse eines dunklen Studierkellers, sondern sein Gehäuse ist luftig und bildet sich nur auf schwebendem Abstand. Dein Hieronymus wird von Gott getragen ohne von ihm Notiz zu nehmen. Eine tief gläubige Art von Atheismus? Ich meine darin das Bild eines heiteren entwurzelten Intellektuellen in seinem instabilen Wolkenschloss zu sehen."
Und gleich noch
eine andere allerneueste Arbeit :
HEILIGER MANN.
Interpreten, die mir mein Bild erklären
sind demütigst willkommen.

Ich erhoffe da vor allem was was von
euch verstockten Freunden, Трусы, in St.Petersburg -
grade ihr manscht doch mit allerhand
Gottähnlichen & Gotterwählten herum,
die sich möglichst hohe Hüte aufsetzen müssen
( wie der Beichtvater, ich muss grade EUCH nicht sagen von wem,
der Bischof Tichon Schewkunow )
damit Gott der Herr auf seinem Hochsitz da oben
sie nicht für головастиков hält.
Für was ? Für Kaulquappen.
Neues Opus Nummer drei ( in nur vier Wochen ! ) :
Wenn ich in meiner Schneckenburgerstraße 15 in Haidhausen aus dem Fenster sehe,
tost ein Spielplatz herauf und gleich dahinter ein Kindergarten. Darüber brummen Hubschrauber zum
nahen Klinikum Rechts der Isar der TU.
Nur Harpo Marx nimmt sich Zeit für mich und schaut still zum Fenster herein.
Nachdem der Blick nach Süden
aus meinem 100 Stufen hoch gelegenen
Gehäuse in der Schneckenburg zum Ölbild
geworden ist, möchte nun auch
der Blick nach Westen zu seinem Recht kommen -
über den Landtag hinweg zum Alten Peter.
Harpo Marx ist, wie wir schon ahnen, bereits wieder zur Stelle.
( Aber wo hat er diesmal seine Harfe gelassen ? )

"Die neuen Bilder" schreibt mir Ilona Matzke aus Murnau,
"haben plötzlich so eine schwerelose Leichtigkeit.
Die Stadt unten erinnert mich an Rom,
die weisse Mauer, die wie ein Delphin ausschaut,
aber auch israelisch mit
dem Auge und blau und weiss. Die neuen Städte entstehen
im Universum.
Wie schaffst Du so schnell so viele neue Bilder."

Wie ? Dank eurem Zuspruch, Freunde !
Den Blick
aus meiner Schneckenburg
nach Süden und Westen hab
ich nun also Ölbild werden lassen -
jetzt ist der nach Norden dran.

Er fällt, von meinem Dachbalkon aus,
auf den Giebel
des Prinzregententheaters,
in dem ich als Student
Statist war und das einzige Mal
in meinem Leben marschiert bin.

Als Stadtwache von Paris.
Im Finale des 2.Aktes
von LA BOHÈME.

Manchmal
wenn auf seinem Dach
Luftklappen geöffnet werden
sieht es aus
als wüchsen dem Prinzregententheater Flügel
und es flatterte davon
Wenn man bei Google
eins meiner Bild aufruft, bekommt man
unter "mehr zu diesem Bild" einige Handvoll anderer
Bilder angeboten, die dem meinigen ähnlich
sein sollen. Mal ist Hokusai dabei, manchmal Kinderbuchillustriertes,
meistens Trash. Aber was hat bitte das meinige links mit der
Gummi-Rutsche rechts zu schaffen ? Wenn ihr wenigstens
Hüpfburg-Experten seid, Трусы , teilt es mir mit !

MALPAUSE 60 x 80 cm

"Fantastische Energie"
nimmt Wolfram Frommlet wahr,
68er Denkmal in Ravensburg,
"die sich verästelt in raffinierten,
winzigen Mini-Episoden.
Wirst du etwa stärker in deiner Malerei im Alter?"

Aber Wolfram, in meiner Jugend
habe ich doch noch gar nicht gemalt !
Sondern Zeit vergeudet
und Theater gemacht.
"Deine schönen Beine
sind mir immer schon aufgefallen"
rühmt Gaby Pfluger, meine Web-Designerin.
Nun habe ich sie
( hier in meiner Hängematte schwebend
hoch über Haidhasen )
eingebracht in ein neues Bild -
"Verwegen schön
und wie immer rätselhaft mit
dem (vorerst) Verborgenen spielend"
rühmt es ein unersättlicher Sammler
vom Starnberger See,
der freilich als
"verwirklichter Steinbock" inkognito bleiben möchte.

Schade, Robert !
Wo Du doch gleich neben dem Buchheim-Museum
wohnst ! Das mit meinen Hauptwerken
in DEINEM Besitz
eine Ausstellung über MICH machen soll.
Sags ihnen, Du Steinbock.

Ich spiele einstweilen mit dem Titel
DER WUNSCH MUNDHARMONIKA ZU LERNEN.
Wollt ihr mir's beibringen, Трусы ?
Pusten wie eure Wolgaschiffer...
MEINE 99 STUFEN

heißt mein neuestes Bild.
Im Internet dargestellt, erschreckte, verdross -
in summa : langweilte mich die
Psychologisierung derer, die
es ausdeuteten :
der arme hinter einem Gitter
eingesperrte Künstler !


Ich bin darum
grade dabei es
um zu malen...
Bildnis des Künstlers
Gute fünfzehn Jahre hing sie willfährig an meinem Daumen.
Und hat ertragen, dass ich auf ihrem geduldigen Holzrücken
die Farben mischte.Und schaute geduldig zu ( während
ich mit dem Pinsel auf ihr herum fuhrwerkte ) wie ich das Bild zurecht fantasierte,
das uns gegenüber auf der Staffelei stand.
Erst als sie mit den Jahren durch immer dickere Schichten von Firnis
und Farbresten speckig und igitt geworden war, wurde sie schrill :
"Wirf mich nicht fort, Bruder Künstler" schrie sie. "ICH bin doch die Künstlerin !"
Und ich nur ihr Handlanger.Ich beugte mich der Belehrung
und porträtierte sie statt meiner.
Oder muss es heißen : ich porträtierte sie als mich ?

Diese Bilder hier & weiter unten sind ( fast ) alle zu kaufen.
Um Daten und Preise zu erfahren rechts unten
klicken auf meinen Kassenwart, als der sich
freundlicherweise Hamlet ( eigentlich Prinz
in Dänemark ) zur Verfügung gestellt hat
-
info@melchiorschedler.de
69 x 69 Öl / Leinwand
Preis 2.400 €
Der Seefahrer
Wir alle waren Seefahrer
von unserem neunten bis zu unserem zwölften Lebensjahr.
Matrosen, Schauerleute, Entdecker, Navigatoren.
Wir haben uns Kontinente erfunden, mit vielen Buchten und ausgefransten Delten.
Das sind, nur zur Erinnerung, Flussmündungen mit seichtem Wasser,
in denen es sich bequem anlanden lässt, denn wir waren als Landkinder
in der Seefahrt gänzlich unerfahren.
Wir wussten nur : wir mussten hinaus auf See ! Und haben uns
unsere Seekarten auf die karierten Seiten des Mathematikheftes
gezeichnet. Und auch befahren ! Mit dem Bleistiftspitzer, den wir über
die Heftseiten schoben.Heranwachsend, sind wir dann an Land gerufen worden und dort vertrocknet.
Aber der Bleistiftspitzer ist immer noch da ! Bedient euch,
Fahrensleute und fliegende Holländer ! Es liegt alles
bereit was ihr braucht ! In dem alten Griffelkasten aus der Klippschule.
Ihr könnt noch diesen Abend auslaufen und seid morgen früh schon
in nie befahrenen Gewässern.
"Bind an dein Haar mich fest / Windmähne du der See !"
ruft euch Rafael Alberti hinterher.
Nicht von ungefähr mein Lieblingsdichter.
98 x 67 cm Öl/Hartfaser/Griffelkasten
Preis 4.200 €
Die Bibliothek von Babel
Jeder Realschüler kann es inzwischen hersagen : "Das Universum setzt sich zusammen aus einer unbestimmten,
womöglich unendlichen Anzahl sechseckiger Galerien. Von jedem Sechseck kann man die unteren und oberen
Stockwerke sehen, in nicht endender Folge..."

In diesen Bücher-Sechsecken hausen die Bewohner der Bibliothek von Babel. Die Sechsecke sind das Universum schlechthin, man wird in sie hinein geboren hinein geboren und stirbt darin.

Als ich jedoch Jorge Luis Borges‘ klassischen Albtraum zu malen versuchte ( den Albtraum des Bibliotheksdirektors,
der Borges eben auch war ) will mir das Finsterliche dieser Vision nicht gelingen. Als käme mir Borges‘ eigenes,
ganz anderes Diktum in die Quere : "das Paradies habe ich mir immer
als eine Art Bibliothek vorgestellt".

Da redet der Dichter, der Borges eben vor allem war. Und meint
das Licht der Erkenntnis, das in jede Bibliothek scheint, wie
finsterlich sie auch sein mag.

"Es ist unmöglich"schreibt der Besitzer des Bildes, " Melchior aus dem Sinn geschweige aus den Augen zu verlieren. Niemand und Nichts ist bei uns präsenter als Borges. Ein Quell unerschöpflicher Freude und Unmengen an Kraft. Wieviel Energie ist in diesen Bildern verborgen ? Sind es die eigentlichen Kraftwerke für Menschen?" '

Freilich : der da so rühmt, lässt niemand das gerühmte Bild sehen, weil er als hach so Schüchterner keine Gäste ins Haus lässt. Und als hach so Schüchterner kann er schon gar nicht nach nebenan ins BUCHHEIM-Museum in Bernried/Starnberger See gehen und sagen : lasst endlich auch andere am Quell der unerschöpflichen Freude trinken und macht eine Gesamtausstellung von MELCHIORS BILDERN ! ( Zwei Leihgaben, von mir, dem Schüchternen sind euch schon mal sicher )

128 x 110 Öl / Leinwand
Privatbesitz Starnberger See
DER SIEBTE AUGUST



So viel prallgelber Sommer !
Gar nicht mehr begreifbar,
wenn man sich im November erinnert,
dass einmal so viel Sommer war. Und wie am Morgen jenes siebten
August die Kissen zerwühlt waren.
Das verschropfte Kirchlein auf dem steilen Hügel über uns
hatte die ganze Nacht in unser Zimmer 106 - erster Stock rechts -
herein geschaut und schwieg trotzdem.
Katholisch altersweise.
Und weil ich der Urenkel eines katholischen Priesters bin.
Und Dispens habe nicht nur fürs Kissen-Zerwühlen.
Das selbstgeschnitzte Holzschiff lag auf Reede an diesem
siebten August, um uns an Bord zu nehmen.

Wohin ? In ein anderes Bett mit
anderen frisch bezogenen Kissen,
zum erneuten Zerwühlen...
50 x 100 Öl/Leinwand
Unverkäuflich
EINZIGES ERHALTENES
BILDNIS VON MONSIEUR LECOQ
Über die Identität von M. Lecoq wird nach wie vor viel spekuliert,
obwohl ich in meinem SCHAUBUCH bereits alle Facetten seiner vielgestaltigen Persönlichkeit aufgelistet zu haben meinte. Nach der Drucklegung aber, so berichtet mir eine aufgeregte Leserin, sei M.Lecoq in einem Fischrestaurant auf St.Pauli gesichtet worden, als er dem Dalai Lama einen Seeteufel in Weißweinsoße servierte. Während eine andere Zeugin ( die gleich drei Exemplare meines SCHAUBUCHs erwarb, um sie nicht etwa von mir, sondern von M.Lecoq signieren zu lassen ) ihn im PIGALLE am Montmartre gesichtet haben will, und zwar als Hummer mit Netzstrümpfen kostümiert . Während eine weitere Augenzeugin behauptet, ihm in Lissabon als gescheitertem Buchmacher begegnet zu sein, der gerade an Bord eines nach Südostasien auslaufenden Trawlers ging und ihr zum Abschied seine Bibel in die Hand gedrückt habe.
Die freilich außer einem Fläschchen Absinth kein Wort Gottes enthielt. Wir werden also von M. Lecoq noch allerlei hören. Dass er auch in St.Petersburg an Land geht, Трусы, ist abzusehen ! Melchior bittet im voraus, ihn auf dem laufenden zu halten.
Öl / Leinwand
Privatbesitz Starnberger See
DIE FESTUNG

Wer sich in der Münchner Prinzregentenstraße
zwischen dem Nationalmuseum und dem Haus der Kunst an ein
bestimmtes Brückengeländer lehnt, der weiß wovon hier die Rede
oder vielmehr die Male ist.
Die Stadtbäche rechts der Isar werden hier zu einem Kanal zusammengezwungen
und brechen aus einem Tunnel hervor,
22.000 Liter in der Sekunde,
um zweihundert Meter
weiter unten einen künstlichen Wasserfall aufzuschäumen,
der einem Gemälde
von Jacob von Ruysdael nachempfunden ist.
BIS DIE SURFER
hundertneunzig Jahre später entdeckten,
dass die mächtige Woge,
die dabei unmittelbar unter der Tunnelbrücke
aufgeworfen wird
die beständigste Woge der Welt ist,
unabhängig von Stürmen und Jahreszeiten
und sogar von Ebbe und Flut.
Öl / Leinwand 60 x 80
Preis 3.000 €
SONNTAG NACHMITTAG UM VIER
WENN DIE ZEIT STILL STEHT

Das Auge täuschen. Tromper l‘ oueil.
Das klassische trompe l´oueil des 17. bis
19. Jahrhunderts wird gerne umschlossen von einem Keilrahmen,
wie man ihn sonst nur wahrnimmt wenn man das Gemälde umdreht.
Und die Dinge, die da abgebildet werden, behaupten
zum Greifen real zu sein.
meine tochter herrat :
„Der Apfel korrespondiert mit dem orangenen Hintergrund unten links.
Dadurch ist die Polarität..." weiterlesen >>> unten links
öl / Leinwand 60 x 70
Preis 2.100 €
>>>
„Der Apfel korrespondiert mit dem orangenen Hintergrund unten links.
Dadurch ist die Polarität, die die komplementärfarbenen Hintergründe
verursacht, etwas abgeschwächt.
Ein Apfel ist sowieso immer appetitlich, man möchte stracks in ihn
hinein beißen. Zum Anbeißen, sagt man doch auch von einer 15jährigen
Jungfer, oder ? Also.
Die Rückseite des Rahmens zeigt mir: aha, was kann sich im Hintergrund
abspielen, da wo man sonst nie hinschaut. Noch dazu ist das Bild zerrissen,
also hat die Szene einen Bezug zur Vergangenheit. Ich versuche nicht nur,
den Sinn der Objekte zu enträtseln, sondern natürlich auch die Buchstaben:
welche Worte haben sie gebildet. Sind die Objekte eine Anspielung, Zitate,
haben sie einen Bezug zur Realität? Trompe l'oeuil: Deine Bilder wirken
oft so, und als ob sie Bühnenbilder seien.Und das Medium eignet sich
ja sehr gut, Dinge so darzustellen, wie sie in Wirklichkeit nie sein können.“
DAS LUFTSCHIFF

"Für ihn ist Geschichte so allgegenwärtig,
anfassbar,lebendig und mit Händen zu greifen,
dass er, vermute ich, eines Tages
nicht sterben sondern
beim Betasten einer Brunnenfigur oder dem
Zeichnen eines römischen
Grabsteins durch eine Zeitspalte rutschen
und in irgendeinem andere Säkulum verschwinden wird"
schreibt Marina Dietz, Besitzerin dieses Bildes,
über dessen Maler.
DER ARCHÄOLOGE
DER ICH MIT ZEHN WAR


An dem unermesslich großen Grundstück,
in dessen Gebüschen, auf dessen Bäumen, mit dessen Birnen und Wespen ich aufgewachsen bin ( wenn auch nie erwachsen geworden ) -
an diesem Grundstück führte die Römerstraße von PARTANUM/Partenkirchen
nach AUGUSTA VINDELICORUM/Augsburg vorbei.
Ich buddelte meine ganze Kindheit lang
nach dem, was die Römer mir am Wegrain hinterlassen haben
könnten.
Ich hätte ja in unserem Garten
einen Fund machen können wie diesen : Prunkhelme,
ausgegraben am Donau-Ufer, nun im Gäuboden-Museum
in Straubing zu besichtigen.
Mein Freund Jürgen Janku, ein Kindskopf wie ich,
lag mir lange damit in den Ohren, wir sollten mit seinem
Metalldetektor mein Grundstück & Umgebung absuchen. Ohne Rücksicht auf die Zäune der Nachbarn.
>>>
DIE RÖMERSTRASSE

Da draußen knapp vorbei am Zaun
sind sie vorbeigezogen
von Partanum Partenkirchen
nach Augusta Vindelicum Augsburg

Einer hat am Zaun sich niedergehockt
zu einer Jause mit Kukuruz und Malvasia.
Ich bitt ihn herein , seinen Knoblauch zu kosten.
Zwei haben zum Sterben sich niedergelegt -
ich schaff ihnen ein ewiges Bett unterm Flieder
und ihren Eseln einen Freitisch hinten im Garten .

Ein vierter hat seinen Münzschatz , fliehend ,
unterm Hollerbusch versorgt , und ist
seine Notdurft grunzend verrichten gelaufen
ausgerechnet dort - aber das ahnte er nicht -
wo jetzt die Garage sich breit macht .
Zurückkehrend , ist folglich der Schatz ihm geraubt .

Lamentier hier nicht lärmig herum , Tullius Jucundus !
Das hier ist schließlich mein Grundstück.
Und ich halte meine Kinderschaufel , die rote ,
bereit mit der ich unter der breiten Kastanie deine Münzen
dir wieder entdecke ohne dass das Landesamt
für Denkmalpflege Wind davon kriegt .

Wie es mein Traum ist von Knabentagen
schon her : das von euch Romani venerabili Hinterlassene
in der Bannmeile ausgerechnet meiner Parzelle
aufzuspüren aere perennius als mir höchsteigen Vererbtes
um so euch doch noch familiaris zu werden
nach lumpigen zweitausend Jahren.
ARCHÄOLOGIE
Das Gemälde versammelt, was ich zu ergraben hoffte.
Eine Triere, um den Lech zu befahren. Die Magna mater.
Neptun und das Elternpaar, das im römischen Museum
in Augsburg zu sehen ist.
Alles, was man eines Tages,
wenn ich selber längst vergraben bin,
auf meinem Grundstück ausgraben wird :
"Auf dem Kataster 1289 unserer Gemeinde",
wird dann im Tagblatt stehen, "konnten die Archäologen soeben
einen Fund ersten Ranges bergen,
der alles bisher in Rhaetien Gefundene in den Schatten
stellt..."
Dum spiro spero.
Öl / Leinwand 60 x 80
Preis 4.200 €
DURCHS BULLAUGE
KANN MAN DAS MEER SEHN
Erst als das Bild fertig war, fiel mir auf,
dass es mich an das Titelkupfer des SIMPLICIUS SIMPLICISSIMUS
des J. J. von Grimmelshausen von 1669 erinnerte.
Auch da stolziert eine Art Scharrvogel von rechts nach links, allerdings einer mit Hörnern.
Hat es damit zu tun, dass sich am Ende des wüsten Lebensberichtes des Simplicius Simplicissimus ( was nichts anderes heißt als : der Dümmste der Dummen ) heraus stellt, dass der Titelheld auf den Namen MELCHIOR getauft worden ist ? Und ein Adelskind war und zu Höherem bestimmt, nun aber Eremit wird ?
Ich war nie zu Höherem bestimmt. Und wollte schon gar nicht Eremit werden.
Und bin es doch geworden. Einer mit dem Pinsel in der Hand, allein mit den Farben, auf der Suche nach Bildern, die noch niemand erzählt hat.
Wie hier -
70 x 90 Öl / Leinwand
Preis 4.200 €
Der neue Kardinal
Er kommt beflissen herbei getrippelt, man hört seine frisch gewichsten Maßschuhe quietschen, seine Amtstracht riecht nach Mottenkugeln und Lavendel, gleich wird er den Journalisten ( vermutlich links außerhalb des Bildes ) ein weihrauchiges Communique aufsäuseln. Und die linksliberale Presse wird es wie immer vollständig abdrucken.Dabei, mit Verlaub, Eminenz ! sind Sie doch erst dazu gekommen, als das Bild bereits so gut wie fertig war : als zufälliges Fitzelchen aus einer Zeitung, das das massige Rot unterwärts-bäuchlings abstützen sollte. Wie die beiden Spielzeug-Lokomotiven, die dennoch keine simplen Karaytiden sind, sondern luftige Stütz-Klötze : alle Erwartung bleibt im Theater-Vorhang haften.
In der Schwebe.
Im erst noch zu Entdeckenden..
Weiterlesen >>>unten links
60 x 60 Öl / Leinwand
Preis 1.200 €
>>>
"Holzlokomotiven ! SPIELZEUG !!! Ihre Kinder haben sie hier also verbraten !"
Falsch, gnä Frau. Nicht eine Reminiszenz an die eigene Kindheit.
Sondern an die der abendländischen Ölmalerei.
Flandern, um 1430. Der erste ihrer fassbaren Meister, Jan van Eyck, beherrschte
ein Rot, ein ROT IN ROT, in das ich
mich AUCH einmal hineintrauen wollte.
"Aber was bedeutet dann das Federwesen da links oben ?"
ASA DISI MASA.
"Ist das auch von Jan van Eyck ?"
Das ist ein Zauberspruch von Federico Fellini.
"Aber was hat Fellini mit Jan van Eyck zu schaffen ?"
Alles, gnä Frau. Beide treffen in meinem Kopf aufeinander
und drücken mir den Pinsel in die Hand. Nur wer keine
Augen hat, so wie Sie, übersieht was die beiden mit mir machen.
"Keine Augen ? Das ist die Höhe."
Aber nicht doch, gnä Frau !
Das ist ASA DISI MASA.
das letzte lesemal
Sie sehen, von links oben : Groucho Marx, den Bruder meines Freundes Harpo, Maria Stuart, einen gewissen Geheimrat aus Weimar –
Nein !
Hier geht es nicht um Prominenzen, sondern um einträchtiges Lesen. Ich will nicht gegen Kindle wettern,
die Weltmacht, ich kann es mir gar nicht leisten ( mit der Hausmacht allein meines Pinsels ) aber beim Malen dieses Bildes war es mein Hauptvergnügen, das Knarzen der Papierschichten zu hören, wenn einer der Lesenden sich darauf stützt. Das Aufschlagen eines neu gekauften Buches : dieser Duft ! Ein Fest für die Nase. Kindle muss es schuldig bleiben. Und wenn das Buch dann altert und sein Besitzer es erst nach Jahrzehnten wieder durchblättert, lösen sich die Seiten nur zögerlich voneinander, unwirsch wie eine Matrone, die ihre Falten verstecken will. Während die Vergilbung an den Seitenrändern dich selbst auf deine eigene Vergilbung hinweist. Und du begegnest, wie einer verlassenen früheren Geliebten, deinen Unterstreichungen von damals. Und Randglossen und Ausrufungszeichen…beschämend, blamabel : was nur habe ich an dieser Stelle bemerkenswert gefunden ? Warum hats meinen Widerspruch erregt ? Zum Aufbegehren gegen eine Sentenz, die ich mir doch seither selber zu eigen gemacht habe ? Oder grade drum ?
"Der Erkenntniswert“ , hat der Herr ganz unten rechts in seinen MINIMA MORALIA geschrieben, „der uns aus früheren Lektüren heraus anspringt, erweist seine Wertigkeit erst dadurch, dass er unsere selbst errichteten Gedankenkonstruktionen zum Einsturz bringt.“

Abgebildet in MELCHIOR`s SCHAUBUCH S.79
80 x 100 Öl / Leinwand
Preis 4.800 €
das letzte schiff geht
um zehn uhr
Mein schönstes Bild. Hoffentlich kaufts mir niemand ab.
Es hängt mir gegenüber während ich das hier schreibe, und ich staune selbst
( je nachdem ob Morgen- oder Abendlicht darauf fällt ) ,
wie man sich in ihm verlieren kann.
Über das Rot und die Geräusche darin habe schon in meinem SCHAUBUCH alles gesagt..
Aber es ist ja auch ein TRIPTYCHON nach guter alter Mittelalter-Manier :
ein Dreiheit aus Verlassen, Aufbruch und Ankunft.
Der Schiffskiel gibt die Richtung an
90 x 120 Öl / Leinwand
Preis 6.500 €
der pate
Wie gravitätisch er da sitzt, nöch ?
Wie eine Figur von Theodor Storm oder Hendrik Ibsen. Einer von diesen sssteifen Buddenbrooksen und Manders und Solness, sssssteifen Senatoren im Gehrock, die sich nie anlehnen. Meine beiden Töchter sind in Angeln geboren ( niemand im Süden weiß wo das ist ) dort waren die Honoratioren alle noch so, und wer nicht mindestens seit vier Generationen dazu gehörte, durfte sie auf der Straße nicht grüßen. Dabei stammt das Holz, das ich zum Paten zusammenfügte, aus dem äußersten Süden der Republik und diente seit dem 18.Jahrhundert als Mehltruhe. Meine Mutter hatte die Truhe auf bavarian land art umgeschminkt und mit grässlichen Weißwurst-Ornamenten samt Enzianen bemalt, wie Schuhplattler ( aus Husum ) sie so lieben. Von mir aus dieser Daseinsform erlöst und der Länge nach aneinander geleimt,
saß plötzlich dieser Herr ( aus Truhen-Brettern ) vor mir.
Da er ( ssssstandesgemäß ) die Beine eng geschlossen hält, verlangte er von mir, darauf sein Patenkind zu platzieren.Ich konnte eine Gürtelschnalle überreden, sich dem Ssssteifen als seinem godfather anzuvertrauen. Und nun sssstrahlen sie beide.
Wie man Husum eben so sssstrahlt.
129 x 61Zargen einer Mehltruhe, Korbboden,
Korkenzieher, Gürtelschnalle
Preis 2.300 €
Sie brüten wieder
"Wir, die Objekte, sind freundlich"
beschreiben diese sich selbst
in MELCHIORs SCHAUBUCH auf Seite 14.
"Wir sind treu. Ganz anders als Sie mit uns. Wir sind verlässlich.
Wir laufen nicht weg.
Wir tragen alle eine Psyche in uns, auch wenn Sie, unsere Besitzer
und Beherrscher, es nicht bemerken.
Wir werden euch Menschen überleben..."

Schon gar als Stiefel.
50 x 100 Öl / Leinwand
Preis 1.200 €
HARPO LERNT LESEN
Es wurde aber auch Zeit, dass mein Freund Harpo endlich lesen lernt. Vom vielen Harfespielen hat er Hornhäute an den
Fingern, und kann mich darum nicht mehr erfreuen, während ich male.
Jetzt, wo er von mir gemalt wird, gibt er sich als Leser aus, der Filou ! Dabei hat er sich sogar seine Memoiren von einem anderen schreiben lassen. In denen er kleinlaut bekennt, dass er eigentlich Adolphe heißt. Ausgerechnet ! Adolphe Arthur Marx ( 1888-1964 ), der sanft-lyrische von drei ziemlich grobianischen Brüdern. Und der frechste ! Der aus den unermesslichen Taschen seines Trenchcoats alles hervor holt, was ein Zwölfjähriger ( wie er und ich ) am nötigsten braucht : Tröten, Wasserspritzpistolen, Luftballons, Klapperschlangen...
Wenn er nicht grade Mädchen hinterher rennt, am liebsten treppauf, wobei die dummen kreischenden Gänse nie begreifen,
dass sie nur stehen bleiben müssen - dann verkriecht er sich, der Zwölfjährige, auf der Stelle angstvoll hinter den Saiten seiner
Harfe.Darum weiß ich ( während ich ihn male ) : er liest nichts von Kafka, Joyce oder auch den Talmud.
Er liest die Partituren der schönsten Harfenkonzerte. Von Glière, Debussy,Saint-Saens. Um sie mir vor zu spielen, während ich male.
KAISER MIT ROTEN PANTOFFELN
Wenn SIE sich auf mir niederließ, genoss ich den Druck ihrer beiden festen Pobacken auf meinem Flechtwerk.Und wenn sie einen Furz ließ
( und sie ließ manchen, denn sie war eine unerschrockene Esserin und liebte reichlich Knoblauch ) dann durchfuhr es mich wie der Südsturm. Ich bin ja, der Herkunft nach, Franzose und kenne meinen Rabelais.Als aber die altersschwachen Holzbeine unter mir ( und unter IHREM Gewicht ) wegbrachen, wurde ich degradiert zum Müll. Aber danach, via Flohmarkt, zum Kunstwerk ! Und der Künstler der mich da gekauft und mich zum Kunstwerk veredelt hat ( er heißt übrigens Melchior ) hat mir zum Trost IHRE Schuhspanner beigegeben, damit ich SIE, Sie wissen schon, nicht allzu sehr vermisse.
Et voilà, nun ertrag ichs sogar dass ich Kaiser geworden bin. Manche sagen, ein Kaiser von den Inkas. Andere sagen, von den Azteken, ich kenne mich da nicht so als, als ehemaliger Stuhlsitz. Aber ich hoffe, dass man mir immer noch ansieht ( auch als Kaiser ) wie wohlig IHRE majestätischen Pobacken einst auf mir geruht haben.
Oder bin ich gerade darum jetzt Kaiser ?
Stuhlsitz / Eisenteile / Schuhspanner
Privatbesitz
Der letzte Leser
ist der, den die Buch-Beamten aus dem hintersten Regal-Winkel herausscheuchen müssen, eine Stunde
vor der Schließung des Lesesaals.
Pedelle schließen seit eh und je viel zu früh, seitdem es Lesesäle gibt.
Es grenzt ans Wunderbare, dass die Buch-Beamten Fremde überhaupt herein lassen .
All die Nutzer und Verschmutzer und Befingerer. Die in Erstausgaben ganze Absätze durchstreichen und Brösel
von Rosinensemmeln zwischen die Seiten quetschen. Von Wursthäuten ganz zu schweigen, und Fahrscheinen.

Womit sie aber auch unter Beweis stellen, wie heimisch sie sich hier fühlen. Wohnhöhle Bibliothek ? Allemal. Mit ihren Wohl-
und Gruft- Gerüchen, in denen noch Folianten mit duften die bereits vor zweihundert Jahren ausmustert worden sind.

Eine Grottenwelt, die bald verschwunden sein wird. Von der Digitalisierung aufgefressen.

Und wo ist nun der letzte Leser ? Such ihn, Betrachter. Wo ist sein rechter Arm und vor allem sein rechtes Bein ? Dies ist ( auch ) ein Vexierbild. Und wenn du ihn gefunden hast,lass dich mit ihm in der Bibliothek einschließen.

Du weißt ja : der von Babel...
80 x 100 Öl / Leinwand
Privatbesitz Starnberger See
KOMÖDIANTENTRUPPE
Ich hatte ein Puppentheater, als ich sechs war.
Eigentlich nur ein Gestell,von meinem Vater gebaut, aber mit einem Vorhang.
Und ich hatte auch das Ensemble dazu :
Kasperl, Teufel, Gretel, König.
Kein Krokodil.
Den Tod hab ich mir selber geknetet, aus Pappmaché.
Aber ich hatte kein Publikum. Es durften keine Kinder ins Haus,
vor denen mein Ensemble Komödie hätte spielen können.
Nun, innerlich noch immer sechs Jahre alt, haben die Zeitläufte
mein Ensemble erweitert.
Kasperl, Teufel, Gretel, König, Tod haben sich selber umbesetzt.

Und es dürfen nun endlich Kinder ins Haus.
Welches Stück also wollt ihr sehen ?
60 x 80 Öl / Leinwand
Preis 3.800 €
LE PETIT PARISIEN
Dieser kleine Pariser hat so seine gewissen Abgründe,
vor denen ich bereits in meinem SCHAUBUCH
auf Seite 15 gewarnt habe.
Aber dem Betrachter, ders nicht gelesen hat,
versichere ich,
dass ich in dieser Collage auch das sonderlich Vergilbte
meines geliebten Frankreich unterzubringen versuchte.
Das Grausilbrige, aus der Zeit Gefallene.
Die melancholische Tristesse ausgeblichener Mauerinschriften,
die für Waren werben, an die sich schon die Urgroßmütter
nicht mehr erinnerten.
Die Patina des Rostes.
Den kunstvoll vernachlässigten Verputz
an den Häusern.
Ma douce France !
70 x 90 Öl / Leinwand Collage
Preis 3.500 €
arcimboldi soll
nicht das letzte wort haben
Der Bibliothekar des Giuseppe Arcimboldi ( 1526 – 1593 ) lässt befürchten, dass man in seiner Nähe niesen muss. Staub hängt in den Falten des dunklen Vorhangs, der den Arbeitsmantel des Bibliothekars bildet, Staub erahnt man auf den gestapelten Folianten, und auch den pelzigen Wedel, als Bart des Bücherknechts dienend, möchte man lieber nicht benutzen, um nicht noch mehr Staub aufzuwirbeln. Was sieht ARCIMBOLDIs Papiermann wohl durch seine staubtrüben Brillengläser? Sich selbst in einem dunklen Spiegel als Ausstellungsstück der kaiserlichen Wunderkammer ?
Entstaubt, frisch geputzt - der dustere Vorhang ist natürlich längst abgerissen, damit Tageslicht hereinfallen kann - so präsentiert sich MELCHIORs neuer Herr des geschriebenen und gedruckten Wortes. Er braucht keine Brille mehr, er hat sich die Unschärfe weg-lasern lassen. Die leuchtende Kristallkugel ist kein Arbeitsgerät, sondern dient der Stimmungsaufhellung und Motivierung. So einer kann neben dem wertvollen Altbestand auch weniger prächtig ausgestattete Neuerscheinungen,
ja sogar DVDs verwalten und - notabene - ausleihen !
Warum sind seine Mundwinkel dennoch melancholisch nach unten gefaltet? Warum hält er so bedeutungsschwer dem Betrachter ein Buch mit beiden Händen entgegen?
Ahnt er, spürt er vielleicht schon, wie die Buchstaben sich daraus lösen, aufsteigen in eine Wolke, um von dort, himmlischem Manna gleich, wieder herab zu regnen auf Metall in Knäckebrotform, in eifrig wischende Userhände?
Das braucht dann keine Bibliothek mehr und der Verwalter der Wörter wird ein binärer Code sein -- mal DAS mal, Maler !
Und wer wird dann das letzte Wort haben ?
Marina Dietz
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Ararat
Ararat, das ist jener Berg zwischen der heutigen Türkei und dem heutigen Armenien, auf dem der Verfasser des ersten Buches Mose das Gefährt stranden lässt, das Noah, der damals Sechshundertjährige, gebaut und gesteuert hat.
Stranden, das bedeutete dass Noah und die Seinen Schiffbrüchige waren, Gescheiterte, und ihre Arche, für die Seefahrt gezimmert, krachte und knackste und wippte nun höchst bedenklich auf dem höchsten Gipfel des Orients, in der unfreundlichen Höhe von 5165 Metern. Erst 1829 gelangte wieder jemand so hoch nach oben, diesmal freilich alpinistisch ausgerüstet und von unten herauf.
Der Abstieg dagegen, zu Noahs Zeiten, muss für seine Mitreisenden, all die vielen Männchen und Weiblein und Tiere ( man denke etwa an die Igel und Hamster und Blindschleichen und Kröten ) äußerst beschwerlich gewesen sein.
Auf meinem Bild, auf dem sich – wie biblisch beschrieben – die "Fenster des Himmels auftun und fortschwemmen was da vordem gewesen", scheitern Harpo Marx, Ernst Bloch und ich. Zwei Juden und ein Goj. Der aber mit einem hebräischen Namen.
Stranden und scheitern die drei da oben, sind sie also Schiffbrüchige ? Man berücksichtige, was den anderen widerfuhr ( Kapitel 7, Vers 21-23 ), die nicht in Noahs Arche Platz fanden : „da ging alles Fleisch unter, das sich auf Erden regte, alles was da wimmelte auf Erden, und alle Menschen. Alles was Odem des Lebens hatte, das starb.“

Das starb. Und nur Noah und die Seinen überlebten, und Noah hatte
( Kapitel 9, Vers 28 ) danach noch 355 Jahre vor sich…

Über eine Wallfahrt zu Ernst Bloch links unten >>> weiterlesen
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>>>
Es war eben doch eine Wallfahrt. Nach Tübingen. Nicht zu dem über-wallfahrteten Hölderlin, nicht zu Mörike,
Hegel, Silcher. Auch nicht zu Walter Jens.

Aber zu einem, für mich, überaus Wallfahrtswürdigen.

Dabei habe ich bei meiner Wallfahrt, was man doch von einem Wallfahrer erwarten dürfte, das Ziel nicht
gefunden. Den Anlangpunkt nicht erreicht, wo der Wallfahrer niederkniet, sein Gebetchen ableistet, sein
Trage-Kreuz oder was immer er hierher geschleppt hat, niederlegt, sich die Erbsen aus den Schuhen holt,
ob nun gekocht oder ungekocht.

Hier wäre der Anlangpunkt ein schlichter schwäbischer Gartenzaun gewesen, in Staketenordnung oder
diagonal genagelt : hier also hat der Wallfahrtsanlass 17 Jahre lang seine Schüler/Adepten mit seinen
Erkenntnisfeuern erleuchtet ! Das hätte ich vor mich hinsagen müssen, zu einer Wallfahrt gehört auch
ein zünftiges Wallfahrtsgebet, und mich dabei an diesem Gartenzaun festhalten, erschöpft, vielleicht wäre
dieses Erschöpftsein schon zu viel Pathos gewesen fürs schwäbische Gemüt der Hausbewohner jenseits
des Staketenzauns. Die sollten doch nicht behelligt werden, schon gar nicht verschreckt, vielleicht hätten
sie nicht einmal gewusst, zu wem ich, der am Staketenzaun, da eigentlich pilgerte.

Aber ich habe unter den vielen gleich aussehend biederst schwäbischen Zweifamilienhäusern SEINS
nicht erkannt. Alles Wüstenroth, Schwäbisch Haller, alle Bausparkassen heißen ja immer schwäbisch.
Eine Kleinbürgergegend, hier hausen nur Mieter, man gelangt zwar durch die Neckarhalde oben auf dem
Berg durch eine Parade von protzigen Verbindungshäusern hierher, aber hier tief unten in der Neckar-Ebene
ist alles Schwäbisch Hall. Wo ER, das Wallfahrtsziel, als Mieter zwischen Mietern, als holterdipolter Übersiedelter
aus der Zone ( damals sagte noch tout le monde so ) zwischen zusammengekauften Möbeln vom Trödelmarkt
hauste. Ein Ossi ( sagt man, entspannt, heute ) der zwei Dritteln des Universitäts-senats unerwünscht war.

Immerhin, die abgelegene Straße, über der die Verbindungshäuser ( der Juristen und Mediziner und
Wirtschaftswissenschaftler ) wie eine Riege von gerüsteten Rittern stehen, da unten in der Neckar-Ebene,
früher ordinär „im Schwanzer“, immer schon ein Blinddarm, heißt nun nach IHM. Am Ende des Wurmfortsatzes
ein Haus voller orientalischer Flüchtlinge mit überquellenden Kindern, im Garten Gebirge von Plastik-Spielzeug
und Plastikmüll, überragt von den robust-brutalen Eisenbeton-Trägern einer dröhnenden Umgehungsstraße.

Der Anstoß zur Wallfahrtsreise war ein jüngst unbemerkt erschienenes Erinnerungsbuch eines seiner Jünger, herausgekommen in einem Tübinger Kleinverlag. Es enthielt so viel Tübingen und Pfeifenrauch, dass ich
beschloss : ich muss da wieder hin. Nach gut 25 Jahren.

Und die Impulse meiner mittleren Jahre ehren. Auch das beiläufige Erinnerungsbuch ( eines, der später den
Rhetorik-Lehrstuhl besetzte, den vordem einmal Walter Jens volltönend innehatte ) mit diesen Impulsen hinterm
Berg und ergeht sich in Pfeifenrauch.

Die Wallfahrt, ausgelöst durch Gert Uedings Buch, hätte auch auf allerkürzestem Weg in mein Bücherregal
führen können, oder zu den Philosophie-Regalen der Stadtbibliothek : Wiederlesen nach drei, vier Jahrzehnten !
Oder, am ehesten noch, zu den Tondokumenten, die ich auch habe, der Tübinger Antrittsvorlesung von 1961
etwa, die ich vor Zeiten anhörte und immer wieder anhörte, sogar im Walkman, bis zum Süchtigwerden. Alle
die das je gehört haben, lese ich nun, waren betört von seiner freien Rede und dem Furor dieser Gestalt, die
von weither zu kommen schien.

Ich auch.

Aber konnte er auch schreiben , i.e.. sich schriftlich mitteilen denen, die ihn eben nicht in persona erlebt
haben, nicht mehr erleben konnten. War er lesbar ? Er-lesbar ? Verstehbar, wenn man ihn nicht auf dem Katheder
vor sich hatte, wo er als Zweimetermann erschien, obwohl er, lese ich jetzt, nur 1.75 maß und im Alter in sich
zusammen sank.

Hat er den Seinen ein Lehrgerüst hinterlassen, in das sie sich einfügen können ? An sie weiterzimmern
können ? Einen philosophischen Richtungweiser, an dem entlang diese Jünger sich vorantasten können,
oder ausschreiten, mit Marx, Karl May und der Thora in den Taschen ? Um eine Gegenwart und – sein
Terrain ! – eine Zukunft zu meistern, in der seine mächtige Stimme uns nicht mehr mutmachend voranschickt ?

In einer jüngst erschienenen Biografie des Antisemiten Horst Janssen wird er ( den Janssen mehrfach
unflätig beschimpfte ) nur noch als „Märchenerzähler“ gelten gelassen. Dass Martin Walser ( und nicht nur er )
seinen „Orgelton“ pries, gehört in die 70er Jahre. Danach stürzte die große Utopie des Staatsmarxismus, die
auch IHN gestürzt hatte und der Marxismus, aus denen er Energien gesogen hatte, wurde bereinigt. Die ZEIT,
deren Herausgeber den Tagesbefehl ausgegeben hatte „wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, riet zu Blochs
gänzlicher Abschaffung.

Weil wir uns inmitten der Dystopien befinden, gell. Weil wir von der Dämmerung nach Vorwärts nichts
mehr wissen wollen. Wissen wollen sollen. Die Zeitäufte haben den Hoffnungsdenker widerlegt, ist
angesagt. Widerlegter kann ein Denker nicht sein, höre ich. Darum beschränkt sich selbst ein Adept
wie Gert Ueding aufs Nostalgische ( und treibt mich damit nach Tübingen, fast bis an den Gartenzaun.)
Seit dem Club of Rome stürzen wir ins Nichts. Ins nüchterne Nichts, ohne alttestamentarische Orgeltöne.

Teddy Adorno, der Antipode, hatte sich da besser eingerichtet. Er bezog den sicheren Posten des
Pessimisten. Die Abschaffung eines Pessimisten fordert keine Denkschule und kein Feuilleton, schon gar
keine deutsche.Dabei war er viel mehr ein Hedonist, war viel mehr hinter den Frauen her, mehr denen
unter denen unter 15, hat, Sohn eines Weinhändlers, viel mehr Rotspon leer gepichelt. Zudem hat er sich
das stabilisierende Beziehungsgerüst der empirischen Soziologie in den Rücken geschraubt, das ihn
bruchsicher in die Zeiten nach dem Ausrangieren des Karl Marx hinübergleiten ließ.

Wie aber, wenn die beiden so antipodisch gar nicht waren ? Sie haben sich früh aufeinander bezogen,
aber der Kalte Krieg, die amerikanischen Sponsorengelder, die 68er Studenten ( Bloch liebten sie, Adorno
trieben sie in den frühen Tod ) haben sie auseinander und auf Abstand gehalten in einem unübersichtlichen
Gelände.

Nicht getrennt.

Mit solchem im Kopf, verstolperte ich mich in der Tübinger Neckarebene unter der grausigen
Umgehungsstraße und fand das bescheidene Heiligtum nicht. Aber weil eine Wallfahrt eben einen
Anlangpunkt braucht, fand ich dann doch seine Lieblings-Buchhandlung, auch wenn auch sie nicht mehr
die selbe und an einem anderen Ort war wie um 1970. Ein freudlicher Buchhändler ( „Doch, doch , es
kommen noch so an die zehn pro Jahr, die nach ihm fragen“) wies mir den Sessel, in dem ER gesessen
hat. Gesessen haben soll.

Aber : ist ein Sessel nicht ein viel zu statisches Möbel für E.B. ?

Gert Ueding : Wo noch niemand war – Erinnerungen an E.B. Klöpfer & Mayer Tübingen 2016, 210 S.
DIE HAFENEINFAHRT VON BOSTON / MASSACHUSETTS
Auf unserer Ferieninsel Oléron
vor der französischen Atlantikküste ging ein Liegestuhl in Fetzen ( richtig, das Blaugestreifte ), lag ein altes Bügeleisen herum und wollte nicht in die Mülltonne. Und weil Streifen, ob blau, ob rot, unweigerlich an das US-Banner erinnern ( trotz George W.Bush ) und ein Bügeleisen an ein Schiff, taten sich beiden zusammen und bezogen Quartier auf einer ausrangierten Kühlschranktür. Wo sie einen ausgedienten Aktenordner-Bügel und anderen Krimskrams antrafen, der schon nicht mehr wusste, wozu er einmal nützlich gewesen war. Lauter zweite Leben nach der Pensionierung.
An einem Ort wie Oléron, vom Meer umgeben, konnte aus alldem nur eine nautische Inszenierung werden. Das Bügeleisen, mit vieler Fracht und vielen Passagieren, dampft nun in das Hafenbecken ein, man hört die Bugwellen und Schiffsirenen bis hierher, der Aktenordnerbügel macht sich als Schleusentor wichtig, und die Scharniere erwarten am Pier als Lagerhäuser und Zollstationen und Spelunken Fracht und Passagiere und durstige Matrosen.
120 x 96 Bügeleisen , verschiedene objets trouvés
Preis 2.800 €
PROSPEROS INSEL
oder DER TRAUM VOM 26.JUNI 1999

An diesem 26. Juni 1999 träumte ich
von hohen Felseninseln, die steil aus dem Meer aufragten. Auf ihrer Scheitelhöhe kreuzten Segelschiffe.
Man denke ! Lauter kleine Meere im Meer. Sogar über dem Meer.
Weil ich zwei große Seereisen erlebt habe, von Genua nach Buenos Aires und von Valparaiso/Chile durch den Panama-Kanal zurück nach Genua, und weil ich danach zwei glückliche Jahre an der Nordseeküste wohnen durfte ( in Cuxhaven, direkt hinterm Deich, und auch eine Sturmflut konnte uns nichts anhaben ) , entstand aus dem Traum ein trompe l‘ oeuil mit einer sanften Salzbrise.
Für die Schiffe freilich war diesmal Moritz ( 7 ) zuständig. Er hat das hölzerne Boot mit Feder rechts unten angefertigt.

Abgebildet in MELCHIOR`s SCHAUBUCH S.45

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Bildnis dr.quintz
Ihr Radiergummi sagt alles aus über Sie.
„Mein Radiergummi - ?“
Abgerubbelt nur an einem Ende ! Oder Ihre Armbanduhr. Ihre Socken. Die Spule Paketschnur, die Sie schusselig in den Schuhschrank gepfeffert haben.
„Eben : schusselig. Da war doch nich die Spur von was Persönlichem mit bei .“
Nichts Persönliches ? Wie Sie die Enden der Schnur dreimal quer um die Spule gewunden haben, und dann noch zweimal durch die Öffnung gezerrt - das gibt eine persönliche Signatur, wie die Schuhe im Schuhschrank sie von Ihnen kennen.
„Meine Schuhe - ?“
Die Ausgehschuhe aus Velourleder. Sie haben Sie nur zweimal getragen, weil der rechte Sie drückt, angeblich. Das verbittert beide. Nun plaudern die Schnürsenkel mit der Paketschnur über Ihre ganz persönliche Art des Schnürens und Verknotens und überhaupt den Umgang mit Kordeln. Und höchstwahrscheinlich, das ergibt sich daraus stringent, auch mit Frauen. ( Der mit dem Radiergummi schaut hinunter auf seine Schnürsenkel und schweigt.)
Aus der Summe der Gegenstände, mit denen jemand sich umgibt, ergibt sich präzise das Spektrum seiner Persönlichkeit. Präziser als aus dem Passfoto, das nur beamtenhaft Nasenlänge und Augenfarbe abbildet. Oder gar - ich bitte Sie ! - aus den honigsauren Erzählungen der Ehefrauen und Kinder.
Halt ! Kinder haben noch diesen gnadenlos forschenden Blick auf Gegenstände : warum lässt Papa die Untertasse voll tröpfeln, wenn er uns wegen unsrer Noten abkanzelt ? Warum
hasst er Badetücher mit Janoschs Tigerente drauf ? Warum breitet er die FRANKFURTER ALLGEMEINE auf der Sitzgruppe
aus , wenn sein Chef zu Besuch kommt ? Warum sticht er mit der Gabel hinein,
sobald Mutti einen Gummihandschuh in der Küche liegen lässt ?
Weitere Hinweise in MELCHIORs SCHAUBUCH auf Seite 57. Aber keine Antworten.
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LORELEI



"Müssen wir zwei
denn schon wieder
über unsere Biografien Auskunft geben,
wir Tischfeger vom BROCANT !
Das steht doch alles bereits ausführlich
in
MELCHIORs SCHAUBUCH





Privatbesitz Hamburg
doppelbildnis mit uljanow
Ich träumte, ich schmuste mit dem Mädchen, das mein Wachsein beherrscht hatte. Mit ihr pflegte ich, träumend, der Liebe unter einem Baum mit schwarzen Ästen und ebensolchem Laub. Und durch die Blätter über uns schwammen Fische ( Prof. Freud hält jetzt bitte den Mund. )
Aber : diesen Traum träumen und ihn dann im Wachsein nachmalen, ist zweierlei. Bin ich doch mehrfach gescheitert als Nachmaler meiner Träume. Denn : wenn ich dann vor der Leinwand sitze, drängen sich stets andere Figuren dazu. Wachträume. Tagträume. Dinge, die um mich herum liegen und Aufmerksamkeit erheischen. Eine betörend schöne Muschel etwa, an einem französischen Strand aufgelesen. Oder, aus der Zeitung von gestern, Wladimir Iljitsch.Uljanow, bekannt als Lenin. An den sich ja auch sonst niemand mehr erinnert.
Und Harpo Marx, an den ich mich stets erinnere, denn er ist mein Alter Ego. Diese beiden, Harpo und Lenin, treffen sich in meinem Bild zum ersten Mal. Zum ersten Mal in der Weltgeschichte. Sie hätten sich früher treffen sollen, gewiss, es wäre besser für sie gewesen. Für uns andere auch. Aber nun sind sie endlich beisammen, durch meinen Pinsel.
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Unterm Baum der Erkenntnis umarmte ich sie,
die Freundin die mir ins Blaue entschwand.
In den fruchtleeren Ästen schwammen Fische rotgolden
Und mieden den bleichen Schläfer in seiner Muschel.

An den Wassern von Babylon saßen wir
und weinten wenn wir an Zion gedachten
Unsere Harfen hängten wir
An die Weiden dort vom Lande.

In seinem Testament hat Adolph, Harpo genannt,
Dem Lande Israel seine Harfe vermacht.
Als ein Raubfisch die Saiten zerbiss
Weinte auch ich und wollte verholzen.

Doch der Stumme lachte nur, lautlos.
Da grünte ich wieder und drohte:
Du nenn mich nicht Daphne!
Und der Bleiche träumte, er würde uns träumen.

M.D.
borges sticht in see
Vor diesem Bild bleiben denkwürdig viele Menschen stehen und selbstreden “Oh, wenn ich doch eine größere Wohnung hätte, das Bild da, das spricht mich sowas von an, das tät auf der Stelle…“ Oder „Ach, wenn ich doch ein höheres Gehalt hätte, ich tät es es auf der Stelle kaufen…“
Über diese Jetzt-noch-nichtse und Selbstbekümmerer habe ich mich in meinem SCHAUBUCH auf Seite 62 gebührend lustig gemacht: „Das sind die, die grade von einer sechswöchigen Reise durch Indien und Kambodscha zurück kommen. Der Künstler, hoffnungsfroh, hält sie trotzdem weiterhin für potenzielle Käufer, auch noch über ihre ( bereits gebuchte ) Reise nach Machu Picchu hinaus.“
Aber warum verharren diese Weitgereisten ausgerechnet vor diesem Bild, das sie in ihre Häuslichkeit eingemeinden wollen ? Was zieht sie daran an ?
Die Bild-Erzählung spinnt das Motiv der Bibliothek von Babel weiter, das der Großmeister Jorge Luis Borges ( 1899 – 1986 ) uns Büchermenschen hinterlassen hat : das Versponnensein und das Sich-Verschließen in einem unermesslichen Kosmos aus Folianten. Äußerster Kontrast dazu : das Motiv des In-See-Stechens. Auch das Grauen ( noch aller Studenten meiner Generation ) vor der Stickigkeit und Lichtlosigkeit in einem solchen Bücherturm, von der Stickstumpfigkeit der Buchverwalter in ihren grauen Kitteln gar nicht zu reden. Und wer kennte dieses Milieu besser als der Meister J.L.Borges, der selbst ein Bücherhüter ( gar Direktor der Nationalbibliothek, nämlich in Buenos Aires ) war ?
Weil eben doch tausendfacher Aufbruch gedruckt ist in jedem der hunderttausend Folianten ? Weil jedes Aufklappen eines Buches einem Segelsetzen gleich kommt ? Weil das sanfte Rauschen der bedruckten Blätter ein Hauch des Windes ist, der von neuen Küsten kommt ?
Ich werde die geldlosen Jetztnochnichtse, die mit den engen Wohnungen, in die keine Bilder passen und schon gar keine Segelschiffe – ich werde sie befragen, ob sie deswegen so oft vor diesem Bild stehen.
Wenn sie das nächste Mal aus Machu Picchu zurück kommen.
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salome vor herodes
"Jetzt habe ich das Wort, der Schneebesen. Sie erkennen mich doch hoffentlich, ganz oben links ?
Mein Kaufwert 1€20 im Prix unique. Aber nun habe ich,
Sie werden es mir ansehen, Karriere gemacht. Bei Hofe !
Nämlich zu Jerusalem, und ich darf den Kopfputz der Salome darstellen. Salome ist das magere 13jährige
Institutsmädchen unter mir.Gleich wird sie einen klassischen Solo-Tanz vollführen, obwohl sie
( ich habe noch mehr Lampenfieber als sie ) im Ballett-Unterricht noch bei den Elevinnen hüpft.
Aber der Lüstlng Herodes ist ohnehin auf anderes aus als auf Kunst. Sie sehen ja, wie sackig er sich auf
seinem Thron fläzt - als Inbild eines dekadenten Feisten. In seinem früheren Leben hat er eigentlich
die Stütze eines Regalbrettes abgeben sollen, aber das Brett
ist nie geliefert worden. Vom Holzklotz zum Lüstling ! Melchior befragt
die Dinge, wer sie sind..."
Weiterlesen in MELCHIORs SCHAUBUCH auf Seite 12.
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das wiedergefundene buch
erscheint in Brechts Gedicht VERGNÜGUNGEN, gleich in der zweiten Zeile, noch ehe er sich über bequeme Schuhe freut, den Hund, übers Reisen. Die Aufzählung mündet in der letzten Zeile ins vergnüglichste aller Vergnügungen : Das FREUNDLICH SEIN.
Nicht alle Bücher haben es verdient, wiedergefunden zu werden. Wie viele stürzen auf uns ein, die nicht des Lesens wert waren ! Nicht einmal des Aufgeschlagenwerdens. Die einem Lücken in die Lebenszeit reißen, unwiederbringliche. Die nur wiederbüchern und weiterbüchern und zwischen zwei weitere unnütze Buchdeckel zwingen, was sie aus anderen Büchern herausgebüchert haben. Den Bücherschreiber überfällt Grausen und Fieber, wenn er die Halle auf der Frankfurter Buchmesse betritt, in der die Neu-Erscheinungen des jeweiligen Herbstes aufgetürmt sind, und er möchte nie wieder ein Druckwerk zur Hand nehmen.

Geschweige denn je wieder schreiben.

Dabei ist dies nur die Halle für Belletristik, und auf dem Messegelände stehen noch viele weitere für Sachbücher, Übersetzungen und und und …"einer mächtiger als der andere, und schon den Anblick des dritten kann nicht einmal ich ertragen" sagt der Türhüter bei Kafka.
Kafka ist mir einer, dessen Bücher ich am Abend vor mir selbst verstecken möchte, um sie am Morgen wieder zu finden und Sätze zu lesen, wie ich sie auf die rechte Seite des wiedergefundenen Buch gemalt habe :“Wir haben einen neuen Advokaten, den Dr.Bucephalus. In seinem Äußeren erinnert wenig an die Zeit, da er noch Streitross Alexanders des Großen war…“
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hosea und seine Kumpane
Schon wieder ein Traum. Einer aus den 1990er Jahren : es wuchsen mir dicke fleischige Gewächse aus der Brust, und wo blieb da ich selbst und meine Fleischlichkeit, wenn mein Brustkorb nur noch Wurzelgrund war für fremdartige Gewächse ? Und ich nur noch ein Blumenkasten für einen Urwald ?
Es gelang mir schon wieder nicht, den Nachtmahr auf die Leinwand zu bringen. Ich kann meine Träume nie so malen, wie ich sie geträumt habe. Prof. Freud hält jetzt schon wieder den Mund. Oder sollte er gerade jetzt reden ?
Die fleischigen, vielstengeligen grünen Gewächse gerieten zu wenigen Stämmen, zu Baumstämmen, wie ich staunend bemerkte, als mein Pinsel sie hinmalte. Einfach behaupete. Schon wieder hatte er, der Pinsel, das Heft in die Hand genommen ( wenn man das von einem Pinsel sagen kann ) und benötigte mich nur noch, damit ich, von ihm dirigiert, die Farbe von der Palette auf die Leinwand transportierte
Und auf meiner ( meiner ? ) Schulter stand auf einmal der Enkel Hosea.
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Wie ihn Irmtraud fotografiert hatte,
mit meiner Baskenmütze auf dem Kopf und garibaldianisch grinsend, denn sie hat ihn in Venedig auf der Brücke geknipst, die von den Giardini publici nach Santa Helena hinüberführt. Zum Dank fürs Ausleihen dieses Porträts wurde links unten ( ich wage nicht, siehe oben, zu behaupten : von mir ) eine der kindlichen Figuren dazu gestellt, wie sie sie oft und gern aus Ton geformt hat : ein Stehaufmännchen ? Ein Kobold ?
Und, wie von ihm herbeigelockt, schoben sich andere Kindheitsgestalten in die Szenerie, leise wie Nachtfalter.
Abgebildet in Melchior’s Schaubuch, S. 68
die Auferweckung
der heiligen drei könige
ist im Bild versteckt. Diese Szene ( festgehalten in Sandstein von
Meister Gislebertus ) wo der Engel zwei Schlummernde und
einen Erwachenden zur Weiterreise auffordert.

Vor ihm in Autun stehend sagte ich immer zu meiner Frau :
Ich hoffe ich werde immer der sein, der die Augen bereits offen hat.
Der, den der Engel mit dem Finger berührt.

Weiterlesen auf Seite 40 von MELCHIORs SCHAUBUCH

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Privatbesitz GAP
der spanner und
die schöne melusine
Alienur ( nicht Eleonore ) d’Aquitaine, Tochter eines Minnesängers und Herzogs, Königin von Frankreich und England
( 1122-1204 ) wurde von ihren vielen Völkern übel genommen, dass sie zu selten jeweils bei ihnen zugegen war und sie sichtbar regierte. Alienurs Reich war einfach zu groß und die Königin ständig unterwegs.
„Aber wer ist der Spanner ?“
Darum fabulierten sich die Völker, die Königin sei eigentlich ein Fischwesen, das nur zu gewissen, geheimen Zeiten aus seinen Wasserhöhlen auftauchen dürfe, und dieses Schuppenweib tauften sie die schöne Melusine.
„Aber wer ist der Spanner ?“
Der französische Emigrant Friedrich de la Motte Fouqué brachte die Sage von der schönen Melusine in den deutschen Sprachraum mit, taufte die Melusine in Undine um und siedelte sie an der Donau an.
„Wer der Spanner ist !“
Der Voyeur, der Beobachter, der Paparazzo, der Augenzeuge.
„Da liegen doch Abgründe zwischen dem, was Sie da auflisten !“
Wie soll ich das wissen, ich bins keins von alledem, ich male ja immer nur. Wenn Sie in ein Museum gehen – sind Sie dann nicht etwa auch ein Spanner ?
„Man nennt den Betrachter eines Bildes doch nicht Spanner !“
Also nur eine Sache der Wortwahl. Aber ohne dieses Wesen, das ich nicht Spanner nennen darf, ohne dieses gibt es kein Bild-Ereignis. Was der Maler gemalt hat, wird erst durch die Augen des…des…des…
„Spanners.“
…wird erst durch die Augen des Spanners zum Bild und dringt in sein Gehirn ein. Wenn der Maler Glück hat, sogar in seine übrigen Sinne.
Der/die Fragende verstummt und betrachtet das Bild, das ich gemalt habe.
Was ich erreichen wollte.
Unten weiterlesen >>> über Alienur, die schöne Melusine und den roi lézard
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DIE SCHÖNE MELUSINE UND DER ROI LEZARD

Als aber nun die schöne Melusine das siebte Jahr - oder wars schon das achtzehnte ? ach, es haperte mit der Zeitrechnung zum Erbarmen zu ihrer Zeit – als also nun die schöne Melusine erbarmenswürdig lange in dem Turm gesessen, in den ihr arger Sohn, der König Richard Löwenherz sie gesperrt hatte, da hub sie an in den Atlantiksturm zu rufen der an ihrem Fenstergitter rüttelte :
„Weh mir, der schönen Melusine, meine Jugend schwindet hin, der Mauerschwamm im Turmverlies frisst meine
Schönheit auf, und mein arger Sohn sendet mir keinen Schlüssel !“
„Was hör ich da kreischen, du garstige alte Vettel“ schrie ihr arger Sohn von England her dawider,
denn er war König dort zum Schrecken all seiner Untertanen und seine mächtige Stimme rang sämtlich seine Feinde nieder, so zahlreich sie auch waren, und bezwang sogar den Sturm der die Küste Aquitaniens umheulte tagaus tagein.
“Ich höre dich Melusine nennen“ schrie er „du dreiste Schickse ? Dabei bist du eingesperrt und das zu Recht als
Königin Eleonore die ein Ungeheuer in die Welt gesetzt hat vor dem es sogar den Normannen graust“.
Und alle Welt verstand : jetzt redet er von sich selber.
„Eingerahmt“ schrie er„ von zwei Brüdern die Kretins sind, triefäugig und mit je einem Ziegenhorn dort wo anderen
Ohren wachsen !“
„Ganz wie der Papa !“ rief da die schöne Melusine und meinte ihren Gatten, den argen König Heinrich II., der den
Bischof Thomas Becket hatte umbringen lassen, obwohl der ein Heiliger war, und das in seiner eigenen Kathedrale, und grämte sich zugleich, dass es ihr für ihr berühmtes rotes Haar eines Kamms gebrach, dieweil der Mauerschwamm weiterhin sich bestrebte, ihre Schönheit zu zernagen.
Und richtete dennoch nichts aus, indes ihr Sohn, der arge Richard ob solcher Reden von Tag zu Tag mehr in Hässlichkeit verfiel gleichwie ein Erdkrott, so dass es in England regnete und hagelte Jahr um Jahr gräulicher und die Themse zufror anlässlich sogar des heiligen Pfingstfestes .

Und als sie, die schöne Melusine, darob ein Tränchen oder zwei vergoss auf das Fensterbord, erscholl von dort
ein fröhliches Rascheln : „Lass mich dein Haar durcheilen, schönste Königin, ich wirke wie ein Kamm, und mit dem
Schweif zerteile ich zudem deine Strähnen auf dass du Zöpfchen daraus kannst flechten“.
„Was denn Schweif, wer denn Schweif“ rief da bass erstaunt die schöne Melusine „ist es ein Frettchen, das da zu
mir spricht ?“
„Geh Frettchen ! „lachte es da hell, „ich bin der roi Lezard“.
Und siehe da, vor ihr sass kein anderer als der Eidechsenkönig, hoch aufgerichtet auf die Hinterbeine und bracht‘
ihr seine Huldigung dar.
„Aber wie „ rief da die schöne Melusine“ soll ich deine Dienste dir entlohnen ? Mein Sohn läßt mich gar arg hier
darben und schickt mir keinen Nickel.“
„Mit dem Darben hats ein Ende nun , oh Schöne“ versetzte froh der roi Lezard.
„Wenn ich dein Haar gekämmt hab, wollen wir zusammen Futter jagen gehen, und Rosenkäfer fangen,
Tausendfüßler, Marienkäferchen und fette Würmer und sie froh zusammen dann verzehren unterm Holderbusch.“
Und so geschah’s. Und der arge Richard Löwenherz kriegte keinen Bissen ab.

Anlass zu diesem Text war ein neues Fliegengitter im Schlafzimmerfenster unseres Ferienhauses auf der Île
d'Oléron. Melchior hatte da hineingemalt Alienur/Melusine und den Eidechsenkönig, die nun auf jeden herab
schauen, der in den Garten tritt.

30.5.09


herr walzel
der auf die taube hört
weil er - hinschauen ! - eine Taube aus Ton
im Ohr hat. Aber zwischen den Beinen
hängt ihm Jesus Christus
gleich zweifach in den Hoden,
und dabei klingelt er ( oder zerrt er ? )
nach einer Demi-monde-Dame in
vulgären Dessous, die sich vor uns
oben rechts zu Recht
versteckt und die man erst
erblickt, wenn man das Original
in Augenschein nimmt.
Oder erwirbt.
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zur bühne
Der Abonnent auf seinem Parkettplatz da weit draußen vor der Bühne ahnt es nicht - aber in der Künstlergarderobe ist es miefig. Ein fettiger Geruch hängt da im ewig und drei Tage Ungelüfteten. Nach Angstschweiß, Erregungsschweiß, Puder, Abschminke, durchgeschwitzten Kostümen, die noch nie an der frischen Luft waren.
„Schauspieler sind Sie also auch gewesen ! “
Über das Wildschwein im Tapferen Schneiderlein bin ich ( auf der Bühne ) allerdings nie hinaus gekommen. Und auch das nur bei einem Abstecher in Ostfriesland, weil der Wildschweindarsteller an diesem Abend einen Boxkampf zu bestreiten hatte. Später dann, im Fernsehen und als Darsteller meiner selbst, hatte ich vor dem Schminkspiegel zu sitzen und zu dulden, dass mir fleischfarbene Pasten aufgetragen wurden, hergestellt von einer Firma namens – unvergesslich - Leichner. Und am Spiegelrahmen hing mein Text.
Wie beim Hamlet. Der Hamlet ist, der Abonnent ahnt es schon wieder nicht, der Inbegriff sämtlicher Theaterrollen. Alle Theatermenschen wollen den Hamlet spielen, auch die weiblichen, er ist das gesamte Repertoire von Aischylos bis zum Gott des Gemetzels zusammengeschnürt zu einem Dänenprinzen in Strumpfhosen, der den Schädel seines Kindheitsfreundes Yorick ansingt.
Und wer gräbt ihm den aus im fünften Aufzug, erste Szene, damit er seinen Monolog beginnen kann ? Zwei Totengräber nennt sie unsere klassische Übersetzung von Schlegel /Tieck.
Aber beim Meister Shakespeare heißen sie schlicht CLOWNS.
Womit wir wieder bei Leichner wären.

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Preis 3.600 €
pendeln lesen fliegen
Es begann mit meinem Schnappschuss : Joel in der Hängematte. Joel ist der jüngste Enkel, und ich bin eigentlich kein Familien-Fotografierer. Wenn auf Hochzeiten fotografiert wird, leide ich und schneide Grimassen.
Aber Hängematten schwingen weit weg von solchen Leiden und ermöglichen ( mir ) die wonnigsten Lesevergnügen. So wurde aus dem Joel-Hängematten-Foto ein Lese-Vergnügen-Gemälde. Am besten hängt man wie ich die Hängematte an einem Pflaumenbaum auf. Am allerbesten zwischen zwei Pflaumenbäumen. Dort treiben sich Bienen herum und sorgen für Hintergrundsmusik. Und mag die Nachbarin hinter dem Gebüsch ihre Enkel anranzen ( die heißen eben nicht Joel ) - es geht einen nichts an, das freundliche Bienensummen deckts zu, und wir verkriechen uns in den Sätzen des Buches. Wenn die Sätze zu lang sind, schlafen die Hummeln ein, die sich aufs Buch gesetzt haben. Der Rhythmus des Hin- und Her-Pendelns bestimmt den Rhythmus des Lesens. Und umgekehrt.
Das hier ist quasi die Winterfassung, ohne Hummeln und knotternde Nachbarin. Wer die Hängematte in Schwingung versetzt, darf sich das nächste Buch aus den Regalen greifen.
Und falls das eben ausgelesene Buch in die Tiefe saust : es wird dort unten aufgefangen vom nächsten Leser in seiner Hängematte. Wenn das Einhorn es nicht abfängt und selber zu lesen beginnt.
Denn Einhörner, die in Bibliotheken hausen, sind literaturkundige Viecher.

80 x 120 Öl auf Leinwand
Preis 4.700 €
DER DSCHUNGEL
Es war einmal ein Dschungel,
ein ganz kleiner, eigentlich bestand er nur aus ein paar akkurat gemalten Ritterspornblättern. Einer Gouache, kaum größer als DIN A 4, die ich als 20jähriger Student gemalt habe, um meinem Professor zu beweisen dass ich…aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, die von ihm handelt, dem Professor, und nicht von mir. Dabei erzählt sich entlang diesem kleinen Rittersporn-Dschungel doch meine Lebensgeschichte. Jedenfalls ein Teil davon.
Viele Jahrzehnte lang lag die Gouache irgendwo eingeklemmt, mir fast ein Ärgernis in ihrer naturalistisch-beflissenen Pingeligkeit, bis ich sie nach der Jahrtausendwende weiter zu malen beschloss.

Oder vielmehr die Erzählung, die in ihr steckte, ernst nahm und weiter erzählte.


61 x 100 Collage / öl auf Leinwand
Preis 3.800 €
Und mein Wachsen als das Weiterwachsen der Pflanzen auf der Gouache. Und wohin bin ich gewachsen ?
Aufwärts und in die Höhe, aber was weiter ? Und je weiter ich mich von dem Ur-Dschungel entfernt habe, umso mehr wurde er von Gestalten meiner Kindheit besiedelt. Figuren aus dem Lieblings-Bilderbuch als ich acht Jahre alt war, Heinrich Hoffmanns Prinz Grünewald und Perlenfein mit ihrem lieben Eselein : der trommelnde Hase, der Bär der den Kontrabass spielt und der Hirsch mit dem Waldhorn.
Und obenauf die Enkelin Julie, damals vierjährig.
BORGES WANDERT AUS

aus dem Reich der Nichtleser & Analfabeten
Aber ist sein Schiff auch seetüchtig ? Es erinnert doch sehr an die Barke,
in die sich auf Bildern des 18.Jahrhunderts Hofleute einschiffen zur Fahrt nach Kythera, der Liebesinsel -
Wird sie den ersten Sturm überstehen, auf dem Buchstabenmeer ?

120 x 100 Öl / Leinwand Privatbesitz Starnberger See
NAUMIA MIT AMARYLLIS
70 x 100 Öl / Leinwand

Porträtieren ist ein alter Wunsch von mir.
"Lasst uns vom Menschen reden, etwas Lebendiges ist mir lieber
als alle Schätze der Welt".
Genauer: lasst mich Menschen zeichnen !

Als ich zehn war, ließ man sich wohlgefällig von mir zeichnen, samt Warzen und Falten.
Heute scheue ich den Zorn des Porträtierten und seine Eitelkeit.
Sogar der große Winston Churchill ließ sein Porträt, das der große Hofmaler Graham Sutherland
von ihm gemalt hatte, nicht nur im Keller gegen die Wand drehen, sondern zerstören.

Geduld & Gleichmut müssen also her.
Enkelin Naumia weist beides auf.
"Wie findest du's ?"
"Cool"
"Hab ich dich getroffen ?"
"Cool".
Ich habe sie als Kind schon oft gezeichnet.
Und vor allem : wir haben zusammen gezeichnet -
viele viele viele Knickbilder in den verregneten Ferien auf Oléron.
Aber das ist ein eigenes Kapitel.
Nachzublättern in MELCHIORs SCHAUBUCH.
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Wir Knickbildmaler

Ach du dickes Ei, es regnet, sagt Melchior. Und wir wollten doch an den Strand.
Muscheln suchen, Seesterne, Strandgut, und Wunder. All sowas.

Schau mal, was ich hab, sagt Hosea, der Enkel. Ein Blatt Papier, ein ganz leeres.
Schau mal, was ich hab, sagt Naumia, die Enkelin. Bleistift und Farben.
Schaut mal, was ich mach, sagt Joel, der andere Enkel. Und zeichnet drauflos.

Aber keiner darfs sehn. Das Blatt wird geknickt, und der nächste ist dran mit dem Bleistift.
Hosea.Naumia.Joel. Melchior, der Opa. Und dann wieder Hosea.
Wenn das Blatt voll ist, wird es entfaltet und gemeinsam malen wirs aus.

Schaut mal, was das ist, das haben wir noch nie gesehen.
Ein Strand voller Muscheln. Aber ist es ein Strand ? Ein Seestern voller
Vögel, aber ist ein Seestern ?
Und aus dem Strandgut wachsen die Wunder.

Kommt, wir zeichnen noch eins und noch eins –
Der Regen draußen wird eifersüchtig.
Er bittet aufhören zu dürfen damit er hereinkommen
kann und mit uns malen.

Ja, soll er doch !





der reisende

Fahr- und Eintrittskarten,
Jahrzehnte lang
in einer Schuhschachtel verwahrt,
nun zu einer Reise- Erzählung versammelt.
Das Ticket für
die Seilbahn
auf die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz
ebenso wie
die Schiffspassage
von Genua nach Buenos Aires.
60 x 80 Öl / Leinwand, Collage
Preis 3.800 €
wer darf mitfahren
im Papierschiffchen
auf dem Buchstabenmeer
hinein in die Stadt der Bücher
die - versteht sich - nach Don Jorge
benannt ist : CIUDAD J.L. BORGES
hindurch
zwischen den Hafentürmen
HUNDERT JAHRE EINSAMKEIT,
DER BARON AUF DEN BÄUMEN
und DER ERWÄHLTE.

Wer sie alle drei gelesen hat,
dem wird die Einfahrt gewährt.
Auch wenn er beim Steuern
die Finger noch zwischen den Seiten hat.
Grade dann.
68 x 100 Öl / Leinwand
Preis 4.300 €
entwurf für ein Mausoleum
Wenn mein Freund Harpo
( rechts neben meinem linken Ohr )
mir den Spielmann macht,
lasse ich mich gerne bestatten
auf den Gebirgen von Büchern
die mir
das Leben beschwert haben
und zugleich leicht gemacht
und die mich
allesamt überleben werden.
79 x 79 Öl / Leinwand
Preis 6.200 €
mein erstes Blumenstillleben
Umzingelt von lauter Damen, die in teuren Malstunden das Malen von Blumenstilleben erlernen , schlug meine Stunde, als meine Frau, die Psychotherapeutin, von einer Patientin ein Blumengeschenk bekam : eine Vrieseae Rex. Benannt nach Hugo de Vries, 1848-1935, Vererbungsforscher und Wiederentdecker der Mendelschen Erbgesetze. Die Vriesiae gehören zur Familie der Ananas-Gewächse und gedeihen in Südamerika auf Bäumen.Meine Frau konnte sich mit der Vriesiae rex nicht anfreunden, ihrer dunkel calvinistischen Gestimmtheit wegen und der entsprechenden Wirkung auf andere Patienten. In mein Zimmer verbannt, verlangte die dunkle Dame sogleich von mir porträtiert zu werden.
Meine Ausrede, dass ich noch nie einen Malkurs besucht habe, schon gar nicht in Blumenstilleben, ließ sie nicht gelten.
60 x 70 Öl / Leinwand
Preis 3.800 €
lesestunde mit paula
Der Titel ist ein Versprechen,
das ich ihr gegeben habe, damit sie ausnahmsweise
ihr App aus der Hand legt und sich mit mir / von
mir porträtieren lässt.

Paula kann nämlich nicht lesen.
Sie sprudelt nur Buchtitel um sich.
Lauter neu erschienene, die sie bei HUGENDUBEL gesehen hat,
aufgetürmt , nah der Kasse, die alle gelb-rosa Umschläge haben
und schüchtert damit zumindest ihre Freundinnen ein,
die noch weniger lesen als sie.
KINDLE-Flattermädchen.
Ich ziehe mich in die Versenkung zurück.
70 x 80 Öl / Leinwand
Preis 3.600 €
Alter Ritter
junger Drache

Mein ganzes Berufsleben lang war ich
beamtenhaft-ortsfest Teil des Maschinenwerks
an einer Schleuse in den Austernteichen
an der Küste von Charente maritime.
Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben
landete ich auf dem Flohmarkt.
Ich war rostig, ich war ein Wrack..

Nun bin ich nicht nur rotbackig,
sondern über und über rot
und dazu ein Ritter und galoppiere das erste
Mal in meinem Leben
waghalsigen Abenteuern entgegen.
Ich galoppiere !!!

Ich, der alte Rostling.
70,5 x 77 Holz, Eisenteile
Preis 2.100 €
stört mir meinen borges nicht !

denn er
horstet in riskanten Höhen
der Literaturkennerschaft und welcher Kindle-Leser,
dessen fünf Sinne schon überfordert sind
mit dem App vor seiner Nase
wird ihn wohl
auffangen, wenn er beim Griff
nach dem nächsten Folianten einen Fehltritt
tut ?
70 x 80 Öl / Leinwand
Preis 3.200 €
DER NEUBAU DER NATIONALBIBLIOTHEK

Luftig untergebracht werden künftig die Bücher
Wo nicht Milben sie lesen und Würmer
Sondern das neugierig wissbegierige Völkchen der Vögel
Das hier das Umblättern lernt und das Auswendiglernen
( leider auch das Knicken von Eselsohren, aber sei’s drum ).
Ausgesetzt den Wirbeln der Jahreszeiten
bleibt der Wissensstoff da oben unbegrenzt frisch
anders als in den düstren Katakomben der Magazine
wie bisher. Und die Weisheiten der Philosophen, Poeten und
Träumer , solcherart nun in den Himmel gehängt,
ziehen die Engel an, das lesefaule Geflügel, das
nun endlich Lustvolleres erschmökert als Gebete,
Flugpläne und Wetterberichte.

70 x 80 Öl / Leinwand
Privatbesitz Starnberger See
die heiligen drei könige
auf der Reise
"...und da ritten auch noch die Brüder Beh-amed und und Zud-am-ed mit, und der Salbenkrämer Durust-amed, mit seinem Ochsengespann und Bithisarea, mit seinen siebzehn Lustknaben auf einem eigenen Elefanten.Und dann waren da die Drillinge Melimavak, Melimigur und Melidag.Die hatten, mit gespült vom allgemeinen Aufbruch, ihre Maultiere im Stall vergessen. Dennoch machten sie ihren Weg nicht zu Fuss – sie hängten sich bald bei diesem bald bei jenem Reisegefährten ein. Am Riemenzeug der Kamele des Dahna-dur-ben-Artaban, am Elefantengeschirr des Bithisarea. Oder sie schaukelten eine Strecke weit an den Quasten der Kissen von Arihus Harem mit. Den höre ich kreischen und kichern, den ganzen Haufen,den ganzen Harem höre ich schnaufen,röhren ,keifen, röcheln...
Weiterlesen >MELCHIORs Bücher> MEIN KÖNIG DES LICHTS
80 x 120 Öl / Leinwand
Preis 3.300 €
AUF DEM WEG
VON A-DORF NACH B-DORF
KOMMT MAN AN EINER STELLE VORBEI
WO MAN SICH FÜRCHTET
Ausschnitt Privatbesitz GAP

Gemalt auf die Wandvertäflung
meines Urgroßvaters von 1891.
In der Kleinstadt in der ich aufgewachsen bin
gehörten Beobachtung und Überwachung der
Vorübergenden ( in jenen TV-losen Zeiten ) zu den alltäglichen,
eigentlich einzigen Vergnügungen und eisernen Pflichten.
In der sich die Furcht vermischte es möchte diesen Vorübergehenden
was zustoßen mit der Hoffnung es möge ihnen doch bitte was zustoßen
und zugleich mit der Angst
sie könnten nicht zurückkehren und es gäbe dann
nichts zum Überwachen mehr.
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Kötzschenbroda.Sonntag. Regen.

ER : Da !
SIE : Da kommt er.
ER : Endlich.
SIE : Wurde ja auch endlich mal Zeit.
ER : Seit wann warten wir nu schon auf ihn ?
SIE : Seit geschlagenen fünfdreiviertel Stunden. Aber nu !
ER : Nu ?
SIE : Nähert er sich zügig seinem Wohnobjekt.
ER : Zügig.
SIE : Es liegt in seiner Gangart was Gewisses das erwarten lässt der hat was vor .
ER : Könnte aber auch sein, er will raus ausm Nieselregen.
SIE : Mach meine Anfangsvermutung nich madig, du ! Haben wir dafür fünfdreiviertel Stunden unsere
Pflicht getan dass du nu meine Einschätzung runter putzt.
ER : Dann schätz halt mal ein.
SIE : Ich schätze ein : der führt was im Schilde.
ER : Indizien dafür ?
SIE : Der schlägt die Haustür hinter sich zu.
ER : Na und ?
SIE : Mit der Folge, er is nicht mehr einsehbar von unserer Position her.
ER : Und nu - was verübt er jetzt da hinter der zuen Haustür ?
SIE : Ich schätze ein, der guckt in den Briefkasten.
ER : Am Sonntagnachmittag hat doch keiner in seinen Briefasten zu kucken !
SIE : Wenn einer sich nicht verdächtig machen will.
ER : Ich schreib ja schon..."Zielperson betritt um 15 Uhr 24 den Plattenbau Otto-Grotewohl-Allee 127.
und öffnet im Schutze der zuvor sorgfältig geschlossenen Haustür, in Nichtachtung der Tatsache,
dass vom Kalender her Sonntag herrscht gleichwohl seinen Briefkasten - "
SIE : Ach Männe, is das ne Prosa ! Wie du das formuliert hast !
ER : Damals.
SIE : Tja, damals..
ER : Das is unser Bericht gewesen vom Sonntag, dem 27. August 1982.

Sie, das Ehepaar, starren hinaus. Draußen fällt Nieselregen. Kötzschenbrodaer Nieselregen.

SIE : Und heute is nu wieder Sonntag.
ER : Mit genau demselben Nieselregen wie damals.
SIE : Bloß, man hat eine Aufgabe gehabt, damals.
ER : Kein Westfernsehen gehabt, damals.
SIE : Aber dafür eine gesellschaftliche Verantwortung.
SIE : Auch bei Nieselregen und am Sonntag.
ER : Man hat doch denen die was man observiert überhaupt erst einen Sinn gegeben in ihrem Leben.
SIE : Weil nur wer observiert wird, der is überhaupt erst am Leben.
ER : Da is doch immer so eine Null-Existenz aufgeblüht. Allein durch das dass wir haarklein
mitgeschrieben haben was so ein Nichts gemacht hat den lieben langen leeren Tag lang.
SIE : Dafür sollte uns Dank wissen.
ER : Das Nichts.
SIE Da sagste wahrhaft was Wahres, Männe ! Dank dafür, dass durch uns der Blick der
Staatsmacht geruht hat auf ihBloß nochm.
ER : Dem Nichts !
SIE : Und das rund um die Uhr.

Stille.

ER : Dagegen heute...
SIE : Bloß noch Nieselregen.
ER : Und Westfernsehen.

Sie, das Ehepaar starren hinaus in den Nieselregen. Kötzschenbrodaer Nieselregen.

SIE : Hol doch mal nen Bericht raus von nem anderen Sonntag.
ER : 18. Mai 1979.
SIE : Nieselregen...
ER : "Die Zielpersonen betreten um 17 Uhr 41 bei leichtem Nieselregen den Plattenbau
Otto-Grotewohl-Allee 128 und öffnen im Schutze der zuvor sorgfältig verschlossenen Haustür
ihren Briefkasten -"
SIE : Aber das sind ja wir !
ER: Freilich. Der da drüben hat uns genauso ausspioniert.
SIE : ( schluchzt )
ER : Was gibtsn da zu schluchzen ?
SIE : Weil einem das zu Herzen gehen tut - was für eine soziale Nähe das gewesen is seinerzeit !
ER : Ne echt Gemeinschaft.
SIE : Von was für nem mitmenschlichen Interesse man umgeben war seiinerzeit.
ER : Das kann einem doch kein Günter Jauch ersetzen mit seinem "Wer wird Millionär".
SIE : So viel inneren Reichtum.
ER : Du, ich schätze ein, wir gehen rüber zu ihm und bieten ihm das Du an nach all den gemeinsamen
Jahren.
SIE : Aber du weißt doch, der is umgezogen nach Düsseldorf.
ER : Aber uns mutet er zu dass wir ihn nach wie vor überwachsen.
SIE : Wo doch auch sonst längst keiner mehr wohnt da drüben.

Sie, das Ehepaar, starren hinaus in den Nieselregen. Kötzschenbrodaer Nieselregen.

ER : Kuck nur, das 19. Stockwerk is nu auch schon eingestürzt.
SIE : Letzten Sonntag wars erst das zwanzigste.
ER : Ich schätze ein, wir gehen trotzdem rüber.
SIE : Und erhängen uns.
ER : Im 18. Stockwerk, eh's einstürzt.
SIE : Aber lass uns dazu die Sonntagsmäntel anziehen.
ER : Wegen dem Nieselregen.
SIE : Damit wir nach was aussehen, wenn -
ER : Wenn - ?
SIE : Wenn sie uns abschneiden.




.
Seestück mit kämpfenden ungeheuern
Heute, sagt das Rohr, verkleid ich mich als böse Schlange, lass mir Zähne wachsen auch,/
mach der Schere und den dicken Schiffen bange, bis wir alle seekrank sind im Bauch. /
Heute, sagt die Schere, verkleid ich mich als Ungeheuer, lass mir Zähne wachsen auch /
und erschrecke als ein Unterwasserschreier unsern alten Gartenschlauch./
Heute, sagt die Tafel, schmück ich mich mit Plastikresten, lass mir Wellen malen kraus, /
halt sie alle als ein Wirbelsturm zum Besten, und der Unterricht fällt aus.

Abgebildet in
- H.J.Gelberg : Wo kommen die Worte her ? Weinheim 2011
- MELCHIORs SCHAUBUCH, S. 92
55 x 80 Schultafel / verschiedene Wasser-Installationsteile
Preis 2.300 €
k
wie kentaur
Kafka
kazantzakis
.







50 x 70 Öl / Leinwand
Preis 1.200 €
PANSMUSIK

In der Frühe
bläst der Faun in Hinterhöfen
zieht das rote nachtzerschlissne
Sonnensegel
ostwärts-westwärts
und mit Mühe über die vergrämte Stadt.

Ohne Körper ist der Tag noch
ohne Anstrich
Himmelskupfer widerstrahlt sein mattes Auge.
Sorgen wir er haben
Krähen, Autos,
rußbetaute und blasierte Essenschlote
stochern ihm in seinem Bauch.

Der beschwanzte und gehufte
Pfeifefaun
hat sein Hofkonzert beendet
lächelt, flüchtet und verdrückt sich
vor den Auspuffgasen und den Hunden
in den Heizungskeller.
KOPFBALL

In den urfernen Zeiten,
da das "Wunder von Bern" geschah,
gab es noch keinen reinlichen Rollrasen.
Das Kampffeld war ein Sudeltrog, da es ohnehin ständig regnete.
Mehr als knietief gründete der Modder,
der Ball war nicht zu sehen, weil ebenso braun wie eben dieser Modder.
Nach was sollten die besudelten Spieler da noch treten -
lieber vollführten sie im Modder eine Leibesübung, die "sterbender Schwan" hieß :
nach einer Rempelei musste/durfte man sich in diesem Modder
wälzen, solange der Schiri es zuließ.

1966, im Wembley-Stadion hatte es damit urplötzlich ein Ende :
der Kaiser sprang über die sich Wälzenden hinweg und erinnerte
sie wieder ans Fußballspielen. Vom majestic Beckenbauer schrieb damals die englische Presse,
obwohl der Kaiser da erst 18 Jahre alt war.

Und so springfliegen sie nun heute alle
und kein Schwan stirbt mehr.
Auf dem nun reinlich glatt trockenen Rollrasen.
AS TIME GOES BY
Ein uralter
messigner Perpendikel
( mein Großvater nannte ein solches Gerät nicht Standuhr,
sondern "Regulator")
der meine ganze Kinderzeit
lang Dienst tat -
gnadenlos laut tackend,
sodass man nicht schlafen konnte
ist nun, als Kunstwerk,
zur Ruh gebracht.
Material Keilrahmen, Leinwand, Perpendikel aus Messing
50 X 81
Preis...
VERIRRT IM FEUERGARTEN












Drei Wespennester
Ein zerfressenes Ofenblech
aufgelesen auf einer Straße in Burgund

DONA ROSITA
LA SOLTERA O EL LENGUAJE DES LAS FLORES


Donna Rosita oder
Die Sprache der Blumen
Federico Garcia Lorca
gewidmet



Der Verlobte des Waisenkindes Rosita
verabschiedet sich für kurze Zeit
nach Südamerika
und Rosita wird nun ihr ganzes Leben lang
vom Balkon hinab schauen
auf Ehepaare,
die mit ihren Kindern
und Enkeln durch Granadas Straßen flanieren
BILDNIS
CHORREGENT HEUBERGER
Der Perpendikel
der Standuhr, die in meinem Elternhaus
über 100 Jahre lang Dienst getan hat
war oben abgebildet.
Hier nun sein Klangkörper :
viermal in der Stunde
musste die Metallspirale
anschlagen.

Nun darf sie
endlich wohltönend
schweigen.








LIEBESFEUERWERK
oder
RA der berühmte Dompteur

RA steht auf dem Splitter eines Dachziegels
umgeben von Muscheln
gesammelt am Strand der Île d'Oléron
ANDACHTSBILD

Fege-Schaufel, Mistgabel -
das kann ja
nur religiös werden.









KASPAR MELCHIOR BALTHASAR
KÖNIG SCHNEIDEBRETT
GEHÖRT GESTÜRZT !
FAMILIENBILD
MIT KROKODILEN


Privatbesitz
JACQUELINE
UND
WIE ICH SIE IN ERINNERUNG HABE
DER REGENZAUBERER
Privatbesitz Augsburg