OSTIA ANTICA

In Ostia antica, dem alten Hafen Roms, haben Archäologen der Uni Köln in den letzten Jahren die Grundrisse einer Kirche ausgegraben, die Kaiser Konstantin um 330 herum gestiftet und ihren Oberpriester zum Ersten des Kardinals-Kollegium ernannt hat, was er bis heute ist. Der Erste, der Einberufer, kurz der Konzertmeister, der alles anpfeifen darf.

Die Ausgrabung misst 51,40 zu 25.30 Metern

Konstantin, früher dem heidnischen Glauben an Apoll zugetan, folgte einer Himmelserscheinung, je nach theologischer Ausdeutung oder auch einem Traum, und liess darum 312 bei seinem Zweikampf mit dem Mit-Kaiser Maxentius ( einem Heiden ) die Standarten seiner Armee mit dem Kreuzeszeichen versehen. Nachdem er die Schlacht bei der milvischen Brücke über den Tiber gewonnen und in Rom als Sieger eingezogen war ( mit dem Kopf des Maxentius auf einer Stange und einem Dank-Opfer für Apoll ) liess er das Christentum zwar nicht zur Staatsreligion, aber doch den anderen Religionen und Sekten gleich stellen. Anders als unter dem Vor-Kaiser Diokletian, der die Christen noch verfolgt hatte. Nun wurden sie immer zahlreicher und hatten eine viel übersichtlichere Ideologie, die in wenigen Schriftsätzen ( nicht nur wie Kraut & Ferkel durcheinander, wie die „Odysee“ oder Ovids „Metamorphosen“ ) und glaubten, wie alle verlässlichen Staatsbeamten, an ein verlässliches Jenseits.

Konstantin, seit 314 alleine regierend, verlegte den Regierungssitz am 11. März 330 in eine gerade erbaute, von drei Seiten von Wasser umgebene Stadt , die heute Istambul heißt. Und mitten hinein unter die immer zahlreicher werdenden Christen mit ihrer neuen Weltreligion, die bereits die dritte war.

Zurück zur Kirche von Ostia. Die der Kaiser platterdings nach dem Erfordernissen der Juristen hat errichten lassen : eben eine lange Halle, 51 Meter, und vorn eine Apsis, in der vormals das Richterpersonal zu sitzen hatte. Jetzt sassen die christlichen Priester dort, die Diokletian nach vor kurzem hatte umbringen lassen.

Das ist etwas ganz anderes, als das was bei Matthäus 18,2o zu lesen ist : „Wo zwei oder drei unter meinem Namen versammelt sind, da die bin ich mitten unter ihnen“. Da war , in den Worten des Stifters, nämlich Jesus, kein höheres Wesen, kein Altargewand, keine Apsis nötig.

Im Neubau, der ja eigentlich ein Altbau war, der die Figuren, die sich darin bewegten, zur Fortsetzung von dessen Traditionen machte, ergaben sich die Bewegungen wie von selbst. Die oben Sitzenden waren deutlich und laut zu hören, die Höhlung der Apsis verstärkte sie, und die auf 50 Meter Länge Verharrenden konnten nur darauf antworten, und es wiederholen. Ein kreisrundes Verfahren ( „da bin ich mitten unter ihnen“ ) war nach nicht mehr möglich.

Neue Priester in allhergebrachter Architektur, und die Alten werden doch wohl sich der Texte und Gesten bedient haben, die sie schon kannten, Gericht blieb Gericht und Rechtsprechung Rechtsprechung, auch wenn aus der Apsis nicht mehr der Kaiser herab schaute ( wie er auf dem Kapitol immer noch rumsteht ). Die Obrigkeit bleib die Obrigkeit und die kaiserlichen Manieren wurde zu christliche Manieren, und ein Ritual ist ein Ritual.

Und wir, die 1900 Jahre später katholisierten Kinder, haben es immer noch eingefuchst bekommen.

25.12.25
„A MEMORY OF OUR FUTURE“

Ein Diktator gestürzt. Der nächste hält sich bereit mit Pauken und Trompeten und der pubertierenden neuen Frisur eines Straftäters.Wollen wir uns jetzt schon mutmaßen, wer sich demnächst, in den Jahren 2025 ff, auf seine Seite schlagen wird, um ihm hinten rum rein zu kriechen ?

Ach, es sieht so unbedenklich aus. Leslie Mandoki nur als harmloses Beispiel, Betreiber eines idyllischen Cafés am Starnberger See, wer kennt das schon, nebenbei macht er ein bisschen Rockmusik, beispielweise im Beck am Münchner Rathauseck, sieht wirklich ganz & gar harmlos aus , er hat auch schon Symphonien für Volkswagen, Daimler oder den FC Bayern geschrieben, oder – ganz harmlos - Wahlkampfsongs für die CDU wie die CSU. Mandoki hat ein Ohr für die neuen Mehrheiten, und mit Politik hat das nicht das geringste zu tun.

Aber die Grünen freilich hetzt er, die „ekelt ihn“, stellt auch ganz harmlos gerne Kontakte in seine alte ungarische Heimat her, zu Victor Orban, ganz harmlos, der eh von den Linken nichts hält, weil Orban eben sein inniger Freund ist und gar nichts für Asylanten übrig hat. Und was lacht da in Ihrer Hand ? Eine Scheibe von Mandokis „A Memory Of Our Future“, ganz harmlos, hören Sie doch mal rein, o Zauber du der magyarischen Musik mit Becken und, Trompeten warum nicht hinüber fahren nach Ungarn. „Kitartás !“ ruft man euch zu, das ist auch ungarisch und bedeutet „Ausharren“ wie um 1940 herum unter den Pfeilkreuzlern und ganz harmlos, Brigitte Bardot ist auch da und hält den Tierschutz hoch, neben ihr ihr Gatte Bernard d’ Ormale, Führungskraft vom rechtsextremen RN, österreichische Burschenschaften sind auch da, lauter junge Leute mit garantierter Zukunft. Wie die Jugend halt so ist , aber ganz harmlos und Helmut Schleich zieht den Kopf ein & wird endgültig zu FJS.

Aber ganz harmlos.

Und da schau, da drüben steht immer noch einer, der die Süddeutsche Zeitung liest, wo doch der Aiwanger gsagt hat des „is Lügenpresse“, wenn ich den nicht aufschreib, hat unser Klassenlehrer gesagt, darf ich nicht mit auf die Klassenreise, warum, der Lehrer ist in der AFD und Landtagsabgeordneter. Ist doch alles ganz harmlos, und die Klassenreihe geht nach Berlin, Fähnchenschwenken bei Präsident Trumps Staatsbesuch und Bundeskanzler Merz wird an der Gangway knien und...

Es fangt ganz harmlos an. Fast unmerklich. Kaum jemand wird aufpassen, wenn immer mehr auf der anderen Seite stehen. Wo kein Mensch stehen kann. Bei den Ungeheuern. Bei Orvan. Le Pen. Kickl, Weidel, Meloni, Iwanischwilli, Musk, Putin und Trump.

Keiner wird mir Bescheid geben. Denn ich bin dann eh schon 89.
Euer Melchior, al. Cassandra

12.24
"ES HALLT EIN RUF WIE DONNERHALL"

Wenn ich aus meinem Fenster schau, liegt mir Frankreich zu Füßen.
Na, nicht das ganze vielleicht, nicht die Normandie und die Pyrenaen. Aber reichlich Versailles, Paris, Orleans. Dazu Sedan, Weißenburg, Wörth. Letzeres die Orte siegreicher Schlachten im deutsch-französisches Krieg von 1870.

Wenn ich aus meinem Fenster schaue, 100 Stufen hoch, schaue ich dichter als auf Frankreich auf denjenigen herab, der das alles verursacht hat. Meine Straße heißt nach Max Schneckenburger. 1819 bis 1849. Und nur wenige werden sich daran erinnern : der hat doch die WACHT AM RHEIN geschrieben. Und sie erinnern sich daran wie an diese Rhein- und Schunkel-Schmonzetten, wie sie vor Zeiten im Radio gesungen wurden von Willy Schneider. "Beim Wirt zum Rolandsbogen/ am Rhein am Rhein..."

Die Wacht am Rhein wurde 1914 gesungen, so steht es brühwarm im wieder aufgelegten MEIN KAMPF, von einem Freiwilligen namens Schicklgruber. "Das Herz in der Seele" hat er da gehört. Allerdings in der Gegenrichtung ist er 1914 gefahren, über den Rhein nach Westen. Dem Schneckenburger zum Trotz.

"Aber unser Schneckenburger hat doch nicht, wie der Schickgruber an einen Angriff auf Frankreich gedacht !"

Nicht so schnell, Freunde. Max Schneckenburger war kein Dichter, sondern ein Schwabe aus der Metallbranche. Wer 68 bei der Demo mit war und zuerst Flaschen geschmissen hat und dann Pflastersteine - war der nun ein Erst-Täter ? Oder Großvater, als er nach der Reichspogromnacht den Konzertflügel des jüdischen Nachbarn billig ersteigerte ? Oder Onkel Theo, als er im weißrussischen Schetel den Flammenwerfer auf jüdische Häuser lenkte ?

In dem Zeitraum, dem die WACHT AM RHEIN sich gefällt, war Napoleon durch die reaktionäre "Heilige Allanz" aus Preußen, Österreich und Russland niedergerungen. Nachdem er den besetzten Regionen immerhin das Bürgerliche Gesetzbuch, das dezimale System und die Judenbefreiung hinterlassen hatte. Und keine der heutigen Gebrauchs-Demokraten gedenkt dessen auch nur im Schlaf.

Nein, ich will nicht in einer Straße leben, die nach einem ahnungslosen Dorfdimpel benannt ist. "Durch hunderttausend zuckt es schnell / und aller Augenblitzen hell : / aber der Deutsche, bieder froh und stark / beschützt die heilige Landesmark."

Als ich einem Romanisten das mit dem Dorfdimpfel vorlege ( er wohnt 30 Stufen tiefer ) , erwiderte mir der, dann müsste man doch auch das ganze Franzosenviertel ( wie der Münchner sagt ) umbenennen. Und warum eigentlich nicht ? Wie viele ungefragte Soldaten hat es seinerzeit das Leben gekostet, um die Sedan-, Weißenburg- und Pariserstraße vor meinen Füßen zu verankern ?

"Und mein Herz im Tode bricht./ Wirst du doch drum ein Welscher nicht./Reich, wo am Wasser deine Flut / ist Deutschland ja an Heldenmut."

"Er blickt hinauf in Himmelsau'n / da Heldenväter nieder schau'n / und schwört mit stolzer Kampfeslust : / du Rhein, bleibst deutsch wie meine Brust." Lieb Königgrätz, magst ruhig sein.

"So lang ein Tropfen Blut noch glüht / noch eine Faust den Degen zieht / und noch ein Arm die Büchse spannt, / betritt kein Feind hier deinen Strand !"

"Der Schwur erschallt, die Woge rinnt./ Die Fahnen flattern hoch im Wind./ Am Rhein, am Rhein, am deutschen Rhein / wir alle wollen Hüter sein !"

Der Autor dieses Ungedichts ( "Setzen sechs !" hätte wohl Professor Friedrich Rückert gesagt ) hat die Landesmark nicht beschützt. Er, der Erst-Lügner. ist in der Schweiz gestorben. Auf Geschäftsreise. Als man ihn später ins Schwäbische umbettete, sollte er ein Denkmal haben. Wo doch der oberste Soldat des Volkes seine Verse froh über den Rhein geschmettert hat ! Wenn auch in der flaschen Richtung.

Das Denkmal verfertigte Fritz von Graevenitz ( 1892-1959 ) , Schwager von Ernst von Weizsäcker, dazu Kunstakademiedirektor und auf die "Gottbegnadetenliste" des Schicklgruber geraten. mit der dieser 1944 seinen Krieg doch noch zu gewinnen hoffte.

Ob Graevenitz dabei die Wacht am Rhein pfiff, ist unbekannt. Das Denkmal steht seit 1937 in Thalheim bei Tuttlingen. Wer als Erster lügt, der wird in Stein gehauen.
ADORNO, DER WILDSCHWEINKÖNIG UND DIE AfD

Vom Westen her, durch die letzten Ausläufer des Odenwaldes, auf einer Trasse hin zum Main hinunter, die die neuesten Wanderführer schon gar nicht mehr anbieten -











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  • schon gar nicht mehr anbieten, weil sie zu beschwerlich ist, ist er ab 1913 von Amorbach aus acht Kilometer gewandert - von 157 Höhenmetern bis nach Miltenberg auf 13o Höhenmetern, vorbei an Reuenthal auf 201 Höhenmetern, wo der Minnesänger Neidhard von Reuenthal geboren sein soll, von den beiden Erziehungsdamen begleitet, klein alle drei, am kleinsten die hegemoniale, ja geradezu diktatorische Tante Cavelli, bei raumfüllender Stimme, die ihre eigentlich ihr zustehenden Opernrollen nicht auf der Bühne anstimmen durfte.


Aber es gab ihr hier der Odenwald ein ja eine statthaftes Resonanz auf einer viel größeren Bühne, die Chorgruppen der Eschen, Linden, Eichen ; und alle drei haben sie gesungen beim Wandern. Opernhaftes, aber auch "Oh Täler weit o Höhen" oder gar "Wenn ich auf Amorbach geh/ setz i mei Hütli in die Höh" und das Laub gewährte ihnen dazu Echo bis hinunter in die Stadt, die, weil im Tale gelegen, noch bis zuletzt unsichtbar blieb, da ein Wasserlauf, manchmal ein Gießbach bei Gewitter, stürmte mit den dreien ihr entgegen. Nämlich der Gemeinde Miltenberg.

Sie traten da, ohne Wenn und Aber, ohne Vorbauten, ohne eine Tor ein, man tritt noch immer dort ein, man tritt durch eine Öffnung, allein fürs Wasser errichtet. Der Gießbach flutet sich hinunter zum Main, und unsere drei Kleinen stehen mitten auf dem Marktplatz.

"...durchschreitet man das Tor, das man wegen der Örtlichkeit Schnatterloch nennt. Durchschreitet man es, so ist man plötzlich, ruckhaft ohne Übergang wie in Träumen, auf dem schönsten mittelalterlichen Marktplatz."

Vierzig Jahre später hat er sich des Schnatterlochs noch immer gedacht, in einem Vortrag über Gustav Mahlers 4.Sinfonie. In der 18. Minute des 3.Satzes, der "ruhevoll" überschrieben ist , tritt er wieder auf den Marktplatz von Miltenberg. Wenn das Orchester aus den weichen Streichern heraustritt - eben "ruhevoll" - weiche Geigen, Flöten, Oboen, ein kleiner Walzer, kommen wie aus der Hand geschüttelt Jubel der Pauken, wird es dramatisch, mischen sich in die Waldmelodie ein, und wir sind auf dem geschäftigen Marktplatz von Miltenberg, "ruckhaft ohne Übergang wie in Träumen."

Im Eingang des nach langen Jahren umgebauten Hotels ( früher zur Post ) hängt der Fürst zu Leiningen. Nicht der Regierende, sondern der vor- vorherige, Emrich der Vte., Eintritt in die NSDAP 1. Mai 1933.

Leiningen bleibt immer Leiningen, ihm gehört hier nun alles, gehört nun hier alles seitdem er um 1800 von den Franzosen enteignet wurde in Lothringen, und als Evangelischem gehört ihm sogar die gewaltige Abteikirche. Dafür ziert nun ein Barockfresko aus der Kirche den Speisesaal des umgebauten Hotels, das gehört ebenso dem Leiningen wie die Orgel, dort praktiziert man barocke Konzerte. Bei dem Autor, über den ich nun ein Büchlein hier präsentiere, kommt alle drei nicht vor. Weder der Fürst zu Leiningen, noch Kirche noch die Orgel.

"Kennen Sie den Herrn hier ?" Gemeint ist Adornos Foto auf Suhrkamps Buch.

Vorn drauf auf dem Buch Adorno als 14jähriges Kind, und unter ihm die Schrift 'Kindheit in Amorbach'.

Die beiden Damen sind neu, das Hotel, seit 200 Jahren "zur Post", heißt seit Mai 2019 nun "Emich's". Mit Apostroph, gewissermaßen ein sächsischer Genetiv. Beide Damen sind hörbar weit aus dem Osten. Wenn ich nach Siegfried Wagner fragte, der 1913 hier abgestiegen ist, würde wenigstens der Familienname Stammesmäßiges auslösen. Oder soll ich nach Siegfried Kracauer fragen, der auch durch unseren Autor hierher kam ?

"Amorbach" schrieb Adorno 1950, heimgekehrt aus Amerika, "das einzige Stück Heimat, das mir blieb" an die Mutter nach New York, wohin die Eltern sich unter Mühe geflüchtet hatten.

Der Umbau hat nicht nur das "Fürstenzimmer" weggefegt, in dem die Erziehungsdamen mit ihrem Bübchen hausten, sondern im Parterre auch den Steingraeber,den Flügel, auf dem Adorno nicht nur übte, sondern mit seinem Improvisationen auch die Menschen auf den Gassen Amorbachs erfreute. Auch wenn zwei Häuser weiter eine Hufschmiede dröhnte, mit ihrem Klang hoch willkommen, und mit ihrem Klang Adorno hoch erfreute.

In der Stadtinformation in der Abtei ( sie gehört gleichfalls dem Fürsten zu Leiningen) hier werden die Eintrittskarten für die Kirche verkauft, präsentiere ich wieder mein Suhrkamp-Buch."Kindheit in Amorbach", erschienen 2003 im gar nicht so weit entfernten Frankfurt. Und die Dame schaut, immerhin ! entsetzt. Der Name bläst ihr eine ferne Ahnung ein, wie der Name eines weit entfernten Vetters Grades. Von dem nur niemand mehr etwas weiß.

Ob sie das Buch in ihrem Bestand habe ? Natürlich nicht. Immerhin im siebzehnten Jahr nach dem Erscheinen.
"Hatte je irgendwer nach ihm gefragt ?"
Nein, niemand. Wir beiden Frager sind die Ausgabe. In siebzehn Jahren. Immerhin für einen draußen Weltberühmten. Der hier seine Heimat hatte.

Die Wildsau

Aber der Name bleibt Gewissheit, seine Frau Gretel hat Teddy ehelang "Wildschweinkönig" genannt. Raubeinig, und vorbei an allen seinen raubeinigen Schülern, die noch viel landwirtschaftlichere Begriffe im Munde führten. Auch gegen ihn selbst. Die Fachabiturjungs aus der braunen Provinz gegen den im Samtwams mit dem weißen Umlegekragen, der die diktatorische Tante Agatha bei La Traviata auf dem Steingraeber begleitete.

Die Wildspur führt in den Odenwald. Es habe da in den reich ausgestatteten Parks ( für die Jäger aus der Stadt, verkauft heute die Jagderlaubnisse der Fürst Leiningen ) um 1910 auch eine zahme Brache gegeben, eine weibliche Wildsau also. "Dort erschien eine Respektperson" schrieb Teddy später über die Zeit da er neun Jahre alt war "die Gattin des Eisenbahnpräsidenten Stapf, in knallrotem Sommerkleid. Die gezähmte Wildsau vergaß ihre Zahmheit, nahm die laut schreiende Dame auf den Rücken und raste davon. Hätte ich ein Leitbild, so wäre es dieses Tier."

Zu Hause angekommen, entdecken wir die begeisterten Besprechungen von Adornos Text "Aspekte des Rechtradikalismus"
Neu, denn er hat das Manuskript 1967 Wiener Studenten vorgetragen und es war seither verschollen. Gewiss, verbindlich und höflich ( die diktatorische Tante ! ). Aber strikt in der Tendenz : mit den Rechten ist nicht zu reden, weder damals noch heute. Und zu kompromissen ist mit denen schon gar nicht.

Eine Erkenntnis nach einem Gang durch den Odenwald. In dem eben auch die Drachen hausen.